— Ja, wie Sie heute aus waren, kam eine Alte mit ihrer Tochter heraus.

„Was für eine Tochter? Sie hat ja keine Tochter.“

— Ja, dann weiß Gott was sie ist, wenn sie nicht ihre Tochter ist; sehen Sie, da sitzt die Alte gerade vor ihrem Fenster. —

Ich ging in die elende Hütte hinein. Der Ofen war stark geheizt und eine für arme Leute wahrhaft üppige Mahlzeit wurde darin gekocht. Die Alte antwortete auf alle meine Fragen, daß sie taub sei und mich nicht verstehen könne. Was war mit ihr anzufangen? Ich wandte mich also an den Blinden, der vor dem Ofen kauerte und Reisig ins Feuer warf. „Nun, Du kleiner blinder, Teufel,“ sagte ich, indem ich ihn am Ohre faßte, „wohin bist Du denn diese Nacht mit dem Bündel gelaufen, he?“

Fängt der Junge an zu weinen und zu schreien und zu heulen: — Wohin gegangen? Ich nirgend gegangen . . . Mit einem Bundel? Was für a Bundel? —

Diesmal hatte auch die Alte Ohren und fing an zu belfern: „Das ist erlogen, und noch dazu gegen einen Unglücklichen! Wofür halten Sie ihn denn? Was hat er Ihnen denn gethan?“

Mir war der ganze Kram höchst langweilig, darum ging ich ohne Weiteres fort, fest entschlossen, den Schlüssel zu diesem Räthsel zu entdecken. Ich wickelte mich in meine Burka, setzte mich am Zaune auf einen Stein, und schaute in die Ferne; vor mir dehnte sich das vom nächtlichen Sturme noch aufgeregte Meer aus, und sein eintöniges Getöse und Gestöhn erinnerte mich, gleich dem nächtlichen Straßengerolle einer großen Stadt, an die dahingeschwundenen Jahre und versetzte meine Gedanken nach dem Norden, in unsere kalte Residenz. Von Erinnerungen ergriffen, vergaß ich mich selbst . . . So saß ich wohl eine Stunde und länger . . . . Plötzlich berührt etwas wie Gesang mein Ohr. Wahrhaftig, das ist ein Liedchen, und noch dazu von einer frischen Mädchenstimme gesungen, — aber wo kommt es her? Ich lausche — eine herrliche Melodie, jetzt gedehnt und traurig, dann wieder rasch und feurig; ich blicke um mich — sehe aber Niemanden rundum; ich lausche wieder — die Töne scheinen geradezu vom Himmel zu fallen. Da richtete ich meinen Blick in die Höhe und siehe da: auf dem Dache meiner Hütte stand ein Mädchen in einem gestreiften Kleide, mit aufgelösten, loseflatternden Zöpfen, eine leibhaftige Undine. Sie schützte ihre Augen mit den flachen Händen vor den Sonnenstrahlen und schaute starr in die Ferne, bald mit sich sprechend und lachend, bald wiederum ihr Liedchen singend.

Ich erinnere mich dieses Liedchens noch Wort für Wort:

Auf dem freien Wellchen dort —

Auf dem grünen Meere,