Er erröthete bis über die Ohren und blähte sich.
O Selbstliebe! Du bist der Hebel, mit welchem Archimedes die Erdkugel aufheben wollte! . . .
„Du spaßest gern,“ erwiederte er, indem er sich etwas beleidigt anstellte; erstens kennt sie mich noch so wenig . . .“
— Die Weiber lieben nur diejenigen, welche sie nicht kennen. —
„Ich mache aber auch gar keinen Anspruch darauf ihr zu gefallen, ich will nur die Bekanntschaft eines angenehmen Hauses machen; auch wäre es sehr lächerlich, wenn ich irgend welche Hoffnungen, nährte . . . Ihr hingegen, Ihr Petersburger, mit Euch ist es ganz etwas anders . . . Ihr Petersburger Sieger braucht nur hinzusehen, so thauen die Weiber schon auf . . . und weißt Du auch, Petschorin, daß die junge Fürstin von Dir gesprochen hat?“
— Wie so? hat sie schon mit Dir von mir gesprochen?
„Freue Dich indessen nicht zu sehr darüber. Ich war zufällig mit ihr am Brunnen in ein Gespräch gerathen, ihr drittes Wort war: „Wer ist der Herr mit dem unangenehmen, stechenden Blicke, er war mit Ihnen als . . .“ sie erröthete und wollte den Tag nicht näher bezeichnen, indem sie sich ihrer Zuvorkommenheit erinnerte. „Sie haben nicht nöthig, mir den Tag zu nennen,“ sagte ich zu ihr, „er wird mir ewig denkwürdig bleiben! . . .“ Freund Petschorin, ich kann Dir nicht Glück wünschen, denn Du stehst schlecht bei ihr angeschrieben und das ist wahrhaftig Schade, denn Mary ist sehr liebenswürdig!“
Ich muß bemerken, daß Gruschnitzki zu den Leuten gehört, welche, wenn sie von einem Frauenzimmer sprechen, das sie kaum kennen gelernt haben, sie sogleich meine Mary, meine Sophie, nennen, vorausgesetzt, daß sie nur das Glück hatte ihnen zu gefallen.
Ich nahm eine ernste Miene an und erwiederte ihm: — Ja, sie ist nicht übel . . . indessen nimm Dich in Acht, Gruschnitzki! die russischen Damen nähren sich zum großen Theile nur von platonischer Liebe, man darf daher keinen Gedanken auf ein Ehebündniß unterhalten; die platonische Liebe ist aber die allerunruhigste. Die junge Fürstin scheint zu jenen Frauenzimmern zu gehören, welche verlangen, daß man sie angenehm unterhalte; langweilt sie sich jemals nur zwei Minuten an Deiner Seite, so bist Du unwiderruflich verloren: Dein Schweigen muß ihre Neugierde erwecken, Dein Gespräch das ihre niemals ganz befriedigen, Du mußt sie in jeder Minute entzücken; sie wird zehnmal für Dich. öffentlich ihre Meinung verläugnen und dies ein Opfer nennen, und um sich dafür zu belohnen, Dich unaufhörlich quälen und zu guter letzt sagen, daß sie Dich nicht leiden kann.
Wenn Du keine Gewalt über sie erlangst, so giebt Dir selbst ihr erster Kuß kein Recht auf den zweiten; sie wird mit Dir kokettiren, bis sie genug hat, und nach vielleicht zwei Jahren verheirathet sie sich mit irgend einer Mißgestalt aus lauter Gehorsam gegen ihre Mutter; dann sagt sie Dir wohl, daß sie unglücklich ist und daß sie nur einen Menschen auf der Erde liebte (nämlich Dich), daß es aber dem Himmel nicht gefallen hat, sie mit Diesem zu vereinigen, weil er — einen Soldatenmantel trug, obgleich unter diesem dicken, grauen Mantel ein glühendes, edles Herz pochte . . .