„Ich weiß nicht, wie es geschah, daß wir mit Ihnen bis jetzt noch nicht bekannt sind,“ fügte sie hinzu, „aber gestehen Sie, daß Sie selbst daran Schuld sind; Sie fliehen alle Menschen so, daß man gar nicht weiß, was man daraus machen soll. Ich hoffe, daß die Luft meines Salons ihren Spleen vertreiben wird, nicht wahr?“
Ich antwortete ihr mit einer jener Redensarten, welche ein jeder in ähnlichen Fällen bereit haben muß.
Die Quadrille zog sich schrecklich in die Länge.
Endlich ertönte die Mazurka, wir setzten uns in die Reihen.
Ich spielte weder auf den betrunkenen Herrn, noch auf mein früheres Betragen, noch auf Gruschnitzki an. Der unangenehme Eindruck der vorangegangenen Scene fing allmälig an sich zu verwischen; ihr Gesichtchen blühte wieder auf; sie scherzte sehr sinnig; ihre Unterhaltung war geistreich, ohne alle Prätension, lebhaft und beredt; ihre Bemerkungen bisweilen recht treffend. Ich gab ihr in einer sehr verwickelten Phrase zu verstehen, daß sie mir schon längst gefiele. Sie senkte das Köpfchen und eine leichte Röthe verbreitete sich über ihr Antlitz. —
„Sie sind ein seltsamer Mann!“ begann sie hierauf, indem sie ihre Sammetaugen auf mich richtete und gezwungen lächelte.
— Ich suchte deshalb Ihre Bekanntschaft nicht, fuhr ich fort, weil Sie ein zu dichter Kreis von Verehrern bereits umgiebt und ich befürchten mußte, vollkommen unter diesen zu verschwinden.
„Sie befürchteten das umsonst; sie sind alle unausstehlich langweilig.“
— Alle! Wäre es möglich . . . Alle?
Sie blickte mir scharf ins Auge, als ob sie sich bemühe, sich etwas ins Gedächtniß zurückzurufen, worauf sie abermals erröthend mit fester Stimme sagte: „Alle!“