Auf dem Rückwege erneuerte ich unser trauriges Gespräch nicht, indessen gab sie mir auf meine leeren Fragen und Gaukeleien nur kurze und zerstreute Antworten.

— Haben Sie schon geliebt? fragte ich zuletzt.

Sie sah mich mit einem durchdringenden Blicke an, schüttelte das Köpfchen und verfiel wieder in tiefes Nachdenken; es war klar, daß sie etwas sagen wollte, aber nicht wußte, womit sie anfangen sollte; ihr Busen wogte . . . Wie konnte dem anders sein! Ein Gaze-Aermel ist ein geringer Schutz, und der elektrische Funke zuckte aus meinem Arme in — den ihrigen: fast alle Leidenschaften fangen damit an, und wir täuschen uns sehr oft wenn wir glauben, daß ein Frauenzimmer uns wegen unserer moralischen oder physischen Vorzüge liebt; es ist wahr, diese bahnen uns den Weg, sie stimmen das Herz zur Aufnahme des heiligen Feuers — nichtsdestoweniger entscheidet die erste Berührung jedesmal das ganze Verhältnis.

„Nicht wahr, ich bin heute sehr liebenswürdig gewesen?“ sagte die Fürstin mit einem gezwungenen Lächeln zu mir, als wir von der Promenade zurückgekehrt waren.

Wir verließen einander.

Sie ist unzufrieden mit sich; sie klagt, sich selbst der Kälte an . . . O, dies ist der erste, der wichtigste Sieg! Morgen wird sie mich belohnen wollen. Das weiß ich alles schon im Voraus — und das ist langweilig!

Den 12. Juni.

Heute sah ich Wära. Sie quälte mich mit ihrer Eifersucht. Die junge Fürstin war wahrscheinlich auf die Idee gekommen, ihr ihre Herzensgeheimnisse anzuvertrauen: eine glückliche Wahl, in der That!

„Ich errathe recht gut, wohin dies alles neigt,“ sagte Wära zu mir: „sage mir jetzt lieber ganz einfach, daß Du sie liebst.“

— Wenn ich sie nun aber nicht liebe?