Der neue Büffel lernte Saïdjah kennen und nahm in der Geneigtheit des Kindes sehr schnell den Platz seines Vorgängers ein. Allzu schnell eigentlich. Denn ach, die Wachseindrücke unseres Herzens werden so leicht glattgestrichen, um Platz zu machen für spätere Schrift! Wie dem auch sei, der neue Büffel war nicht so stark wie der vorige ... wohl war das alte Joch zu weit für seinen Nacken ... aber das arme Tier war willig wie sein Vorgänger, der geschlachtet war, und konnte gleich Saïdjah beim Zusammentreffen an der Grenze mit Adindas Brüderchen die Kraft seines Büffels nicht besonders rühmen, er behauptete doch, dass kein anderer den seinen an gutem Willen überträfe. Und wenn die Furche nicht so gradlinig wie früher war oder wenn Erdklumpen undurchschnitten zur Seite geblieben waren, so besserte er gern mit seinem Patjol, so viel er konnte. Obendrein, kein Büffel hatte ein User-useran wie der seine. Der Penghulu selbst hatte ja gesagt, dass da Ontong sei in dem Lauf der Haarwirbel auf den Hinterblättern.
Einstmals auf dem Felde rief Saïdjah seinem Büffel vergebens zu, eilig am Werk zu sein. Das Tier stand wie angewurzelt da. Überrascht über so grosse und vor allem so ungewohnte Widerspenstigkeit, konnte er sich nicht enthalten, einen Schimpf auszustossen. Er sagte: a. s. Jeder, der in Indien gewesen ist, wird mich verstehen. Und wer mich nicht versteht, gewinnt nur dabei, wenn ich ihm die Erklärung eines groben Ausdrucks erspare.
Saïdjah meinte gleichwohl nichts Böses damit. Er sagte es nur, weil er es so mehrmals von andern hatte sagen hören, wenn sie über ihre Büffel ungehalten waren. Aber er hätte nichts zu sagen brauchen, denn es half nichts: sein Büffel that keinen Schritt vorwärts. Er schüttelte den Kopf, als wollte er das Joch abwerfen ... man sah ihn den Atem aus seinen Nüstern blasen ... er schnob, bebte, schauderte ... Angst war in seinem blauen Auge, und die Lefze war aufgezogen, sodass das Zahnfleisch bloss lag ...
»Fliehe, fliehe,« riefen auf einmal Adindas Brüderchen, »Saïdjah, fliehe! da ist ein Tiger!«
Und alle entledigten ihre Büffel der Pflugjoche und schwangen sich auf die breiten Rücken und galloppierten davon durch Sawahs, über Galangans, durch Schlamm, durch Krüppelholz und Buschwerk und hohes Alanggras, längs der Felder und Wege, und als sie schnaubend und schwitzend ins Dorf Badur einritten, war Saïdjah nicht unter ihnen.
Denn als dieser wie die andern seinen vom Joch befreiten Büffel bestiegen hatte, um wie sie die Flucht zu ergreifen, hatte ein unerwarteter Sprung des Tieres ihm das Gleichgewicht genommen und ihn zur Erde geworfen. Der Tiger war sehr nahe ...
Saïdjahs Büffel, durch eigene Schwungkraft vorwärtsgetrieben, schoss um einige Sätze an dem Fleck vorbei, wo seines kleinen Herrn der Tod wartete. Das Tier war nur infolge seiner heftigen Fahrt und ohne seine Absicht weiter an Saïdjah vorbeigesaust. Denn kaum hatte es die Kraft überwunden, die allen Stoff beherrscht, auch nachdem die treibende Ursache wirkungslos geworden ist, da kam es zurück, setzte auf seine ungeschlachten Füsse den ungeschlachten Leib gleich einem Dach über das Kind und kehrte seine gehörnte Stirn dem Tiger zu. Dieser sprang ... aber er sprang zum letztenmal. Der Büffel fing ihn mit seinen Hörnern auf, er selbst verlor nur ein Stück Fleisch, das der Tiger ihm am Halse ausschlug. Der Angreifer lag da mit aufgeschlitztem Bauch, Saïdjah war gerettet. Wirklich war da Ontong gewesen in dem User-useran dieses Büffels!
Als dieser Büffel Saïdjahs Vater abgenommen war und geschlachtet ...
ich habe dir gesagt, Leser, dass meine Geschichte eintönig ist!
... als dieser Büffel geschlachtet war, zählte Saïdjah schon 12 Jahre, und Adinda wob schon Sarongs, und »batikte« sie mit Kapalas. Sie hatte schon Gedanken in den Lauf ihres ‚Farbschiffchens‘ zu bringen, und sie zeichnete Betrübtheit auf ihr Gewebe, denn sie hatte Saïdjah sehr traurig gesehen.