Und auch Saïdjahs Vater war sehr betrübt, doch seine Mutter am meisten. Hatte diese doch die Wunde am Halse des treuen Tieres geheilt, das ihr Kind unversehrt nach Hause gebracht hatte, während sie auf die Erzählung von Adindas Brüderchen geglaubt hatte, dass es von dem Tiger davongeschleppt sei. Sie hatte die Wunde so oft mit dem Gedanken betrachtet, wie tief wohl die Krallen, die so weit in die rauhen Fasern des Büffels eindrangen, in den weichen Leib ihres Kindes eingedrungen sein möchten, und oft, wenn sie frische Heilkräuter auf die Wunde gelegt hatte, streichelte sie den Büffel und sprach ihm einige freundliche Worte zu, damit das gute, treue Tier doch wissen sollte, wie dankbar eine Mutter ist. Sie hoffte später, dass der Büffel sie doch verstanden haben möchte, denn dann hätte er auch ihr Jammern begriffen, als er weggeführt wurde, um geschlachtet zu werden, und er hätte dann gewusst, dass es nicht Saïdjahs Mutter war, die ihn schlachten liess.

Einige Zeit darnach flüchtete Saïdjahs Vater aus dem Lande. Denn er hatte grosse Furcht vor der Strafe, wenn er seine Landrente nicht bezahlen würde, und er hatte kein Pusaka mehr, um einen neuen Büffel zu kaufen, da seine Eltern stets in Parang-Kudjang gewohnt hatten und ihm also wenig nachlassen konnten. Auch die Eltern seiner Frau wohnten dauernd im selben Distrikt. Nach dem Verlust des letzten Büffels hielt er sich gleichwohl noch einige Jahre aufrecht, indem er mit gemieteten Pflugtieren arbeitete. Doch das ist ein sehr undankbares Arbeiten, und vor allem verdriesslich für jemanden, der im Besitz von einigen Büffeln gewesen. Saïdjahs Mutter starb vor Kummer, und da war es, dass sein Vater sich in einem Augenblick der Mutlosigkeit aus Lebak und aus Bantam fortmachte, um im Buitenzorgschen Arbeit zu suchen. Er wurde mit Stockschlägen bestraft, weil er Lebak ohne Pass verlassen hatte, und durch die Polizei nach Badur zurückgebracht. Hier wurde er ins Gefängnis gebracht, weil man ihn für irrsinnig hielt, was nicht so befremdend gewesen wäre, und weil man fürchtete, er werde, in einem Anfall von matah-glap, amokh machen oder andere Verkehrtheiten begehen. Doch er war nicht lange gefangen, indem er kurz darauf starb.

Was aus den Brüdern und Schwestern Saïdjahs geworden ist, weiss ich nicht. Das Häuschen, das sie zu Badur bewohnten, stand einige Zeit leer und fiel dann schnell ein, da es nur von Bambus gebaut und mit Atap gedeckt war. Ein bisschen Staub und Schutt bedeckte den Fleck, wo so viel erduldet wurde. Es giebt viele solcher Orte in Lebak.

Saïdjah war fünfzehn Jahre alt, als sein Vater nach Buitenzorg verzog. Er hatte ihn nicht dahin begleitet, weil er sich mit grösseren Plänen trug. Man hatte ihm gesagt, dass in Batavia sehr viele Herren seien, die in Bendies führen, sodass er also dort leicht eine Stelle als Bendiejunge finden müsse, wozu man gewöhnlich jemanden wählt, der noch jung und unausgewachsen ist, um nicht durch zu grosse Last hinten auf dem zweirädrigen Fuhrwerk das Gleichgewicht aufzuheben. Es wäre, hatte man ihm versichert, bei guter Führung ein gut Stück Geld bei solchem Dienste zu gewinnen. Vielleicht gar würde er auf diese Weise binnen drei Jahren genug ersparen können, um zwei Büffel zu kaufen. Diese Aussicht lachte ihm entgegen. Mit selbstbewusstem Schritt, wie jemand, der grosse Dinge im Sinne hat, trat er nach der Abreise seines Vaters bei Adinda ein und teilte ihr seinen Plan mit.

—Denk’ doch, sagte er, wenn ich wiederkomme, werden wir alt genug sein, zu freien, und wir werden dann zwei Büffel haben!

—Prächtig, Saïdjah, ich will gern zu dir gehen, wenn du wiederkommst. Ich werde spinnen und Sarongs und Slendangs weben und batiken und sehr fleissig sein die ganze Zeit.

—O, ich glaube dir, Adinda! Aber ... wenn ich dich verheiratet finde?

—Saïdjah, du weisst doch sehr gut, dass ich mit niemandem ehelichen werde. Mein Vater hat mich deinem Vater zugesagt.

—Und du selbst?

—Ich werde dich heiraten, dessen sei sicher!