[196] sambal-sambal: allerlei Zuspeise, durch deren Mannigfaltigkeit sich Indien auszeichnet. Die Beschreibung von den sambals, die dort genossen werden, würde Bände füllen. In wohlhabenden Familien erfordert diese Unterabteilung des täglichen Menüs die ausschliessliche Hingebung eines Bedienten, und bei Reichen ist hierfür eine Person nicht einmal hinreichend. Als Material dient alles, was essbar ist, so viel als möglich unkenntlich gemacht, und auch vieles, das Uneingeweihten nicht essbar vorkommt, z. B. unreife Früchte und verdorbener Fischlaich. Die Bereitung all dieser Gerichte nach den Regeln der Kunst erfordert ein wahres Studium. Auch ist für baren (Neulinge) bisweilen einige Übung nötig, um sie schmackhaft zu finden, doch Eingeweihte geben der indischen Küche den Vorzug vor den vielerlei Arten europäischer Küche.

XIV. Kapitel.

[199] Jang (njang) di Pertuan: „Er, der herrscht“. Wenn ich mich nicht irre, ist auf ganz Sumatra nur ein Häuptling, der diesen Titel trägt. Tuankus (myn-heer, mon-seigneur) giebt es viele. Beide Benennungen sind malayisch—die letzte Silbe des Wortes Tuanku kommt mir gar javanisch vor—und da der Jang di Pertuan ganz speziell der vornehmste Häuptling in den Battahlanden ist, so scheint diese Würde ursprünglich durch malayische Unterjocher eingeführt zu sein. Die Wurzel der Benennungen von autochthonen Würden und Titeln müssen stets in der ältesten Sprache des Landes gesucht werden. Sie sind nur von verhältnismässig jüngerem Ursprung als die unwillkürlichen Laute, die durch äussere Ursachen Lunge und Kehle entfahren, als die vielerlei Benennungen für „Wasser“, als die Andeutung von Terrainbesonderheiten oder Naturerscheinungen, und als die allgemeine Klangnachbildung.

[201] Padries: wir nannten so die Atjinesen, die damals kurz vorher die Battahlande zum Islam bekehrt hatten. Das Wort muss wohl Pedirees bedeuten, nach Pedir, einem der kleinen Staaten von Atjin. Auch das Wort ‚Atjin‘ ist eine durch Sprachgebrauch allgemein angenommene Entartung. Aus ‚Atjeh‘ machten wir ‚Atjehnese‘ oder ‚Atjinese‘, wodurch das Grundwort selbst in ‚Atjin‘ sich veränderte. Litterarischer Purismus ist hier nicht angebracht.

Die Beweise für den im Text berührten Fanatismus laufen übrigens ins Unglaubliche. Gleichwohl muss man zugeben, dass die Einführung des Islam—der zugleich Vermehrung des Salzgebrauchs zur Folge hatte—dem Menschenfressen grossen Abbruch gethan hat. Dass diese Gewohnheit in der Gegend von Penjabungan—dem Zentrum unserer Herrschaft in den Battahlanden—noch zur Zeit bestanden haben soll, als Ida Pfeifer diese Gegenden besuchte (1844? 1845?), halte ich für eine Lüge. Sie knüpft an das Erlebnis, das sie in dieser Sache gehabt zu haben behauptet, eine Anekdote, die den Stempel der Unwahrheit an der Stirn trägt. Man habe sie geschont, erzählt sie, wegen der Spasshaftigkeit ihrer Bemerkung: sie sei „eine bejahrte Frau und deshalb zu zäh“. Als sie, einige Jahre nach mir, mit Battahleuten in Berührung kam, war die Anthropophagie in diesen Gegenden ausgerottet, und zwar durch den Einfluss derselben Völker, die wir jetzt im Namen der Civilisation bekriegen. Wann und wo hat Niederland je mit seiner Religion und mit seinen Waffen wie in diesem Fall sozusagen im Umsehen einen ganzen Volksstamm von Kannibalen zu ruhigen Menschen gemacht?

[204] sewah: die Waffe der Bewohner Sumatras, wie auf Java der kris. Der sewah ist ein krummer Dolch mit sehr kleinem Griff, die Schneide an der Binnenseite der Krümmung. Die ursprüngliche Absicht bei dieser Formgebung wird wohl gewesen sein, dass der Griff vollkommen in der Hand verborgen werden kann, während der sehr stumpfe Rücken gegen den Puls anliegt und so die Waffe durch den Arm verdeckt wird. Der Angefallene merkt also nicht eher, dass sein Gegner bewaffnet ist, als bis dieser—nach einer eigenartigen, behenden Bewegung von Puls und Arm in drei Tempis—ihn trifft. Ganz abgesehen von dieser Geeignetheit als Mordwerkzeug ist der sewah das symbolische Merkmal der Freiheit und Männlichkeit. Wer ein malayisches Haupt gefangen nimmt—wie es unter den auf S. 205 beschriebenen Umständen meine verdriessliche Aufgabe war—fordert ihm seinen sewah ab.

Eine andere Waffe auf Sumatra, die anderswo wohl nicht bekannt ist, heisst krambièh und dient ausschliesslich als Mordwaffe. Sie ist kleiner und noch viel krummer als der sewah. Der Griff besteht aus nicht viel mehr als einer ringförmigen Öffnung, in die der Mörder seinen Daumen steckt, während die Klinge ganz in oder hinter der Hand verborgen bleibt.

[226] tikar: kleine Matte. Die Benutzung von fein geflochtenen Matten auf den Bettmatratzen ist in Indien ziemlich allgemein, und wird, weil sie kühl bleiben, für gesund gehalten. Die Herstellung dieser Matten und anderen Flechtwerks bildet eine nicht unwichtige Industrie, in der sich vor allem die Makassaren auszeichnen.

[227] klapper: Kokosnuss. Auch klappa, kelappa.

[227] pukul ampat: „vier Uhr“. Dies ist der Name eines Blümchens, das des Nachmittags um diese Stunde sich öffnet und gegen die Morgenstunde sich wieder schliesst; ampat heisst: vier, pukul: schlagen, Schlag, Glockenschlag.