—Gewiss bei Gaafzuiger? fragte ich.

Ja, so war es. Doch das war nichts Rechtes, sagte sie. Nun, hiervon wusste ich mehr als sie selbst. Er hatte die »Aglaja« fallen lassen und war faul, dünkelhaft und kränklich ... nur darum war er weggejagt.

Und, fuhr sie fort, gewiss werde er dieser Tage zu mir kommen und vielleicht jetzt gerade zu mir hin sein, um sich Antwort auf das von ihm gestellte Ersuchen zu holen.

Ich sagte, dass Shawlmann ruhig mal kommen könne, doch dass er nicht klingeln solle, denn das ist so unbequem für das Mädchen. Wenn er einen Augenblick wartete, sagte ich, würde die Thür wohl mal offen gehen, wenn jemand heraus müsste. Und darauf ging ich fort und nahm meine Zuckersachen wieder mit, denn, geradeaus gesagt, es gefiel mir da nicht. Ich fühlte mich nicht wohl dort. Ein Makler ist doch kein Dienstmann, dünkt mich, und ich kann doch wohl behaupten, dass ich anständig aussehe. Ich hatte meinen Rock mit Pelzgarnitur an, und doch sass sie da so kommode und plauderte so ruhig mit ihren Kindern, wie wenn sie allein gewesen wäre. Obendrein, sie schien geweint zu haben, und unzufriedene Menschen kann ich nicht vertragen. Auch war es kalt und unbehaglich—gewiss weil der ganze Hausstand weggeholt war—und ich gebe viel auf Behaglichkeit in einem Zimmer. Während ich nach Hause ging, beschloss ich, es noch einmal mit Bastians anzusehen; denn ich setze nicht gern jemanden auf die Strasse.

Nun folgt die erste Woche von Stern. Es ist selbstverständlich, dass viel drin vorkommt, das mir nicht gefällt. Aber ich muss mich an Artikel 2 halten, und die Rosemeyers haben es gut gefunden. Ich glaube zu bemerken, dass sie sich viel Mühe um Stern geben, weil er einen Onkel in Hamburg hat, der in Zucker macht.

Shawlmann war in der That dagewesen. Er hatte Stern gesprochen und ihm einige Wörter und Dinge erklärt, die er nicht verstand. Die Stern nicht verstand, meine ich. Ich ersuche nun den Leser, sich durch die folgenden Kapitel durchzuarbeiten, dann verspreche ich, dass ich hinterher wieder etwas von mehr solider Art bringen werde, von mir, Batavus Droogstoppel, Makler in Kaffee: Last & Co., Lauriergracht No. 37.


[1] Note des Übersetzers: Diese beissende Randbemerkung unseres Droogstoppel wird erst recht verständlich, wenn man die spezifisch holländische Bedeutung dieses Wortes kennt: Dünkelhaftigkeit, Eingebildetheit, Anmassung.

Fünftes Kapitel.

Es war des Morgens um zehn Uhr eine ungewöhnliche Bewegung auf dem grossen Wege, der die Abteilung Pandeglang verbindet mit Lebak. »Grosser Weg« ist vielleicht etwas zu viel gesagt von dem breiten Fusspfad, den man, aus Höflichkeit und Ermangelung eines bessern, den »Weg« nannte. Doch wenn man mit einem vierspännigen Fuhrwerk von Serang, dem Hauptplatz der Residentschaft Bantam, verzog, mit der Absicht, sich nach Rangkas-Betung zu begeben, dem neuen Hauptplatz im Lebakschen, konnte man einigermassen sicher sein, nach einiger Zeit dort anzukommen. Es war also ein Weg. Wohl blieb man fortwährend im Morast stecken, der in den Bantamschen Tieflanden schwer, lehmig und klebrig ist, wohl war man oft genötigt, die Hülfe der Bewohner der nächstgelegenen Dörfer anzurufen—waren sie auch nicht sehr nahe, denn die Dörfer sind nur dünn gesäet in diesen Gegenden—aber wenn es einem dann endlich geglückt war, an die zwanzig Landbauer aus der Umgegend beisammen zu kriegen, so dauerte es gewöhnlich nicht sehr lange, bis man Pferde und Wagen wieder auf festen Grund gebracht hatte. Der Kutscher knallte mit der Peitsche, die Läufer—in Europa würde man, glaube ich, »palfreniers« sagen, oder richtiger vielleicht, es besteht in Europa nichts, das diesen Läufern entsprechen würde—die unvergleichlichen Läufer also mit ihren kurzen, dicken Peitschen sprangen wieder neben dem Viergespann her, stiessen unbeschreibliche Töne aus und schlugen den Pferden anfeuernd unter den Bauch. So rumpelte man dann einige Zeit weiter, bis der verdriessliche Moment wieder da war, dass man bis über die Achsen in den Moder sank. Dann fing das Rufen um Hülfe aufs neue an. Man wartete geduldig, bis die Hülfe kam, und ... krebste weiter.