—Du weisst doch, dass der Herr gestern alles mitgenommen hat.
Auch seine Mutter nannte er »du«, was in Holland gerade nicht als feine Sitte gilt, und es schien ein »Herr« dagewesen zu sein, der alles »mitgenommen hatte« ... ein spassiger Besuch! Die Frau schien auch nicht bei Laune, denn sie wischte sich heimlich die Augen, als sie das kleine Mädchen zu ihrem Bruder hinbrachte. »Da, sagte sie, spiel’ ’n bisschen mit Nonni.« Ein seltsamer Name. Und das that er.
—Nun, Frau Shawlmann, fragte ich, erwarten Sie Ihren Mann bald zurück?
—Ich kann nichts Bestimmtes sagen, antwortete sie.
Da liess auf einmal der kleine Junge seine Schwester, mit der er »Kahnfahren« gespielt hatte, im Stich und fragte mich:
—M’nheer, warum sagst du zu Mama: »Frau«?
—Wie denn, Bürschchen, was muss ich denn sonst sagen?
—Na ... so wie andere Menschen! Die »Frau« ist unten. Die verkauft Schüsseln und Brummkreisel.
Nun bin ich Makler in Kaffee—Last & Co., Lauriergracht No. 37—wir sind unser dreizehn auf dem Kontor, und wenn ich Stern mitzähle, der kein Salair empfängt, sind es vierzehn. Nun wohl, meine Ehefrau ist »Frau«, und ich sollte nun zu solchem Weib »Mevrouw« sagen? Das ging doch nicht! Jeder muss in seinem Stande bleiben, und, was mehr bedeutet, gestern hatten die Gerichtsvollzieher den ganzen Kram weggeholt. Ich fand mein »Frau« also gut, und blieb dabei.
Ich fragte, warum Shawlmann nicht bei mir vorgesprochen hätte, um sein Paket wieder abzuholen. Sie schien davon zu wissen und sagte, dass sie auf Reisen gewesen wären, nach Brüssel. Dass er da für die »Indépendance« gearbeitet habe, dass er jedoch nicht hätte bleiben können, weil seine Artikel Ursache waren, dass das Blatt an der französischen Grenze so oft zurückgewiesen wurde. Dass sie vor einigen Tagen nach Amsterdam zurückgekehrt seien, weil Shawlmann hier eine Stellung erhalten sollte ...