Wie dem sei, Verbrugge begann mit einer trivialen Bemerkung über das Wetter und den Regen.
—Ja, m’nheer de kontroleur, es ist Westmūsson.
Dies wusste Verbrugge nun wohl: es war Januar. Aber was er über den Regen gesagt hatte, wusste der Regent auch. Darauf folgte wieder einiges Schweigen. Der Regent winkte mit einer kaum sichtbaren Kopfbewegung einem der Bedienten, die am Eingang der Pendoppo niedergekauert sassen. Ein kleiner Junge, allerliebst gekleidet in blausammtne Blouse und weisse Hose, mit goldenem Leibgurt, der seinen kostbaren Sarong um die Lenden festhielt, und auf dem Kopf den gefälligen Kain-kapala, unter dem seine schwarzen Augen so schelmisch hervorleuchteten, kroch kauernd bis an die Füsse des Regenten, setzte die goldene Dose nieder, die den Tabak, den Kalk, die Sirie, den Pinang und den Gambier enthielt, machte den Slamat, indem er beide Hände gefaltet aufhob bis zur tiefniedergebeugten Stirn, und bot darauf seinem Herrn die kostbare Dose dar.
—Der Weg wird beschwerlich sein nach soviel Regen, sagte der Regent, wie um für ihr langes Warten eine Erklärung zu geben, und bestrich dabei ein Betelblatt mit Kalk.
—Im Pandeglangschen ist der Weg so schlecht nicht, antwortete Verbrugge, der, wenigstens wenn er nicht ein unangenehmes Thema berühren wollte, diese Antwort wohl etwas unbedacht gab. Denn er hätte bedenken müssen, dass ein Regent von Lebak nicht gern die Wege von Pandeglang rühmen hört, wenn diese auch wirklich besser sind als die lebakschen.
Der Adhipatti beging nicht den Fehler einer übereilten Antwort. Der kleine Leibpage des Regenten, ein junger Adliger, war bereits, immer kauernd, rückwärts zurückgekrochen bis an den Eingang der Pendoppo, wo er unter seinen Kameraden Platz nahm ... der Regent hatte schon seine Lippen und etliche Zähne mit dem Speichel seiner Sirie braunrot gefärbt, und er sagte dann endlich:
—Ja, es ist viel Volk in Pandeglang.
Jemandem, der den Regenten und den Kontrolleur kannte und dem der Zustand von Lebak kein Geheimnis war, hätte es sich deutlich herausgestellt, dass das Gespräch schon ein Streit geworden war. Eine Anspielung nämlich auf den besseren Zustand der Wege in einer benachbarten Abteilung schien die Fortsetzung vergeblicher Versuche zu sein, auch in Lebak die Anlegung derartiger besserer Wege oder die bessere Instandhaltung der bestehenden zu veranlassen. Doch hierin hatte der Regent Recht, dass Pandeglang dichter bevölkert war, vor allem im Verhältnis zu seinem viel kleineren Flächeninhalt, und dass also da die Arbeit an den grossen Wegen durch Vereinigung der Kräfte leichter war als im Lebakschen, einer Abteilung, die auf hunderten von »Pfählen« Fläche nur siebzigtausend Einwohner zählte.
—Das ist wahr, sagte Verbrugge, wir haben wenig Volk hier, aber ...
Der Adhipatti sah ihn an, als wartete er einen Ausfall ab. Er wusste, dass nach dem »aber« etwas folgen konnte, das unangenehm klingen würde für ihn, der seit dreissig Jahren Regent von Lebak gewesen war. Es schien, dass Verbrugge in diesem Augenblicke keine Lust hatte, den Streit fortzusetzen. Wenigstens brach er das Gespräch ab und fragte wieder den Mandoor-Aufpasser, ob er nichts kommen sähe.