—Aber es ist natürlich, fuhr Havelaar fort, indem er Max auf den Arm nahm. Im Tjikandischen und im Bolangschen ist man sehr erfreut darüber ... und die Aufständischen in den Lampongs auch. Ich möchte Sie recht gern als Mitarbeiter gewinnen, M’nheer Verbrugge! Der Regent ist schon ein bejahrter Mann, und wir müssen also ... sagen Sie doch, ist sein Schwiegersohn noch immer Distriktshäuptling? Alles in allem halte ich ihn für eine Person, die Rücksicht verdient ... der Regent, meine ich. Ich freue mich recht, dass hier alles so zurückgeblieben und so ärmlich ist, und ... hoffe hier lange zu bleiben.
Hierauf reichte er Verbrugge die Hand, und dieser, mit ihm an den Tisch zurückkehrend, an dem der Resident, der Adhipatti und Mevrouw Havelaar sassen, merkte schon etwas deutlicher als fünf Minuten früher, dass »der Havelaar so verrückt nicht war«, wie der Kommandant meinte. Verbrugge war keineswegs von Verstande entblösst, und er, der die Abteilung Lebak kannte, wohl so gut, wie ein so grosser Komplex, wo nichts gedruckt wird, von einer Person überhaupt gekannt werden kann, er begann einzusehen, dass doch Beziehungen herrschten zwischen den scheinbar zusammenhanglosen Fragen Havelaars, und gleichzeitig, dass der neue Assistent-Resident, wiewohl er nie die Abteilung betreten hatte, unterrichtet sei von dem, was da vorging. Wohl begriff er noch immer nicht diese Freude über die Armut in Lebak, doch redete er sich ein, dass er diesen Passus verkehrt verstanden haben müsse. Später allerdings, als Havelaar mehrfach dasselbe zu ihm sagte, sah er ein, wieviel Grösse und Adel hinter dieser Freude steckte.
Havelaar und Verbrugge nahmen am Tische Platz, und man wartete, indem man den Thee einnahm und über gleichgültige Dinge sprach, bis Dongso dem Residenten meldete, dass die frischen Pferde vorgespannt seien. Man packte sich so gut wie möglich in den Wagen und fuhr davon. Das Rumpeln und Stossen machte das Sprechen schwierig. Der kleine Max wurde mit einer Banane ruhig gehalten, und seine Mutter, die ihn auf dem Schosse hatte, wollte durchaus nicht wahr haben, dass sie ermüdet sei, als Havelaar ihr anbot, sie von dem schweren Jungen befreien zu wollen. In einem Augenblick unfreiwilliger Ruhe in einem Morastloch fragte Verbrugge den Residenten, ob er mit dem neuen Assistent-Residenten schon über Mevrouw Slotering gesprochen habe.
—M’nheer. Havelaar. Hat. Gesagt.
—Freilich, Verbrugge, warum nicht? Die Dame kann bei uns bleiben. Ich möchte einer Dame ...
—Dass. Es. Gut. Wäre ... schleppte der Resident mit vieler Mühe hinterher.
—Ich möchte einer Dame in ihren Umständen nicht gern mein Haus verschliessen! Sowas versteht sich von selbst ... nicht wahr, Tine?
Auch Tine war der Ansicht, dass sich das von selbst verstünde.
—Sie haben zwei Häuser in Rangkas-Betung, sagte Verbrugge. Es ist Raum in Überfluss vorhanden für zwei Familien.
—Nun, wenn das auch nicht der Fall wäre ...