Hier schuf Er Selbst sich in Altar und Tempelchören,

Wo noch kein Priester Gottes Wort geschmäht,

Hier lässt Er sich in grollenden Gewittern hören ...

Und rollend ruft sein Donner: Majestät!

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

... und fühlt man nicht, dass er diese letzten Verse nicht so hätte schreiben können, wenn er nicht wirklich hören und verstehen zu können glaubte, wie Gottes Donner ihm diese Worte in prasselndem Widerhall, an den erbebenden Bergwänden zurief?

Doch er liebte Verse nicht. »Es wäre ein hässliches Schnürleib«, sagte er, und wenn er dazu bewegt wurde, etwas vorzulesen von dem, was er, wie er sich ausdrückte, »begangen« hatte, so suchte er sein Vergnügen darin, sein eigenes Werk zu verderben, indem er es entweder in einem Tone vortrug, der es lächerlich machen musste, oder indem er auf einmal, gewöhnlich bei einem hochernsten Passus, abbrach und ein Witzwort dazwischen warf, das die Zuhörer peinlich berührte, doch bei ihm nichts anderes war als eine blutige Satire auf die schlechte Übereinstimmung zwischen diesem Schnürleib und seiner Seele, die sich so beengt darin fühlte.

Es waren unter den Häuptlingen nur wenige, die sich der herumgereichten Erfrischungen bedienten. Havelaar hatte nämlich durch einen Wink befohlen, den bei derartigen Gelegenheiten unvermeidlichen Thee mit Maniessan herumzureichen. Es schien, dass er mit Vorbedacht nach den letzten Worten seiner abgebrochenen Ansprache einen Ruhepunkt eintreten liess. Und hierzu war Grund. »Wie—mussten die Häuptlinge denken—er weiss schon, dass so viele unsere Abteilung verliessen, mit Bitterkeit im Herzen? Schon ist ihm bekannt, wie viele Familien in benachbarte Gegenden auswanderten, um der Armut zu entweichen, die hier herrscht? Und sogar weiss er, dass soviel Bantamer sind unter den Banden, die in den Lampongs die Fahne des Aufstandes entrollt haben gegen die Niederländische Herrschaft? Was will er? Was bezweckt er? Wem gelten seine Fragen?«

Und es waren welche, die sahen Radhen Wiera Kusuma an, das Distriktshaupt von Parang-Kudjang. Doch die meisten schlugen die Augen zur Erde.

»Komm mal her, Max!« rief Havelaar, seines Kindes gewahr werdend, das auf dem Hof spielte, und der Regent nahm den Kleinen auf den Schoss. Doch der war zu wild, um es lange dort auszuhalten. Er sprang fort und lief in dem grossen Kreise der Männer herum und ergötzte die Häuptlinge mit seinem Gepappel und spielte mit den Knäufen ihrer Dolche. Als er zu dem Djaksa kam, der des Kindes Aufmerksamkeit erregte, weil er prächtiger gekleidet war als die andern, schien dieser irgendwas auf dem Kopfe des kleinen Max dem Kliwon zu zeigen, der neben ihm sass und sein Ohr einer zugeflüsterten Bemerkung darüber zu neigen schien.