Und dann muss ich schweigen. Nicht weil er recht hat, sondern weil ich der Firma Last & Co. gegenüber verpflichtet bin, dafür Sorge zu tragen, dass der alte Stern nicht Busselinck & Waterman in die Finger falle, die ihn schlecht bedienen würden, weil es niederträchtige Pfuscher sind.

Bei dir, Leser, schütte ich mein Herz aus, und damit du nach dem Lesen von Sterns Geschreibsel—hast du’s wirklich gelesen?—deinen Zorn nicht ausgiessen mögest über ein unschuldiges Haupt—denn ich frage dich, wer wird einen Makler nehmen, von dem man ‚Menschenfresser‘ geschimpft wird?—so ist mir daran gelegen, dass du überzeugt bist von meiner Unschuld. Ich kann doch diesen Stern nicht aus der Firma meines Buches drängen, nun die Sachen einmal so weit gediehen sind, dass Luise Rosemeyer, wenn sie aus der Kirche kommt—die Jungens scheinen ihr aufzulauern—fragt, ob er nicht ein bisschen früh kommen werde heute abend, um recht viel von Max und Tine vorzulesen!

Doch da du das Buch gekauft hast oder Leihgeld dafür bezahlt im Vertrauen auf den honetten Titel, der etwas Solides erwarten lässt, so erkenne ich deine Ansprüche auf was Gutes für dein Geld an, und darum schreibe ich selbst nun wieder ein paar Kapitel. Du bist nicht in dem Kränzchen von den Rosemeyers, Leser, und also glücklicher daran als ich, der alles mit anhören muss. Dir steht es frei, die Kapitel überzuschlagen, die nach deutscher Übergeschnapptheit riechen, und dich allein abzugeben mit dem, was von mir geschrieben ist, von mir, einem honetten Manne und Makler in Kaffee.

Mit Befremden habe ich aus Sterns Schreiberei entnommen—und aus Shawlmanns Paket hat er mir nachgewiesen, dass es wahr sei—dass in der Abteilung Lebak kein Kaffee gepflanzt wird. Dies ist sehr verkehrt, und ich werde meine Mühe reichlich belohnt erachten, wenn die Regierung durch mein Buch auf diesen Fehler aufmerksam gemacht wird. Nach den Papieren von Shawlmann möchte es scheinen, dass der Boden in diesen Gegenden für die Kaffeekultur nicht geeignet ist. Aber in diesem Umstande liegt durchaus keine Entschuldigung, und ich behaupte, dass man sich unverzeihlicher Pflichtversäumnis schuldig macht gegenüber Niederland im allgemeinen und den Kaffeemaklern im besonderen, ja, gegenüber den Javanen selbst, indem man nicht diesen Boden verändert—der Javane hat doch nichts anderes zu thun—oder, wenn man das nicht zu können vermeint, die Menschen, die da wohnen, nicht nach anderen Gebieten schickt, wo der Boden wohl gut ist für Kaffee.

Ich sage niemals etwas, das ich nicht gut erwogen habe, und darf behaupten, dass ich hier mit Sachkenntnis spreche, da ich über diesen Gegenstand reiflich nachgedacht habe, vor allem seit ich die Predigt von Pastor Wawelaar in dem Bittgottesdienst für die Bekehrung der Heiden hörte.

Es war Mittwoch abend. Du musst wissen, Leser, dass ich meine Pflichten als Vater ängstlich erfülle und dass mir die sittliche Aufziehung meiner Kinder sehr am Herzen liegt. Da nun Fritz seit einiger Zeit in Ton und Manieren etwas angenommen hat, das mir nicht gefällt—es kommt alles von dem verwünschten Paket!—so habe ich ihn einmal gut unter die Finger genommen und zu ihm gesagt:

»Fritz, ich bin nicht mit dir zufrieden! Ich habe dir stets das Gute vorgehalten, und doch weichst du vom rechten Wege ab. Du bist dünkelhaft und widerhaarig, und du machst Verse, und du hast Betsy Rosemeyer einen Kuss gegeben. Die Furcht des Herrn ist der Anfang aller Weisheit, du musst also die Rosemeyers nicht küssen und musst nicht so furchtbar dünkelhaft sein. Sittenlosigkeit leitet zum Verderben, Junge. Lies in der Schrift und achte mal auf diesen Shawlmann. Er hat die Wege des Herrn verlassen: nun ist er arm und wohnt auf einer kleinen Kammer ... da hast du die Folgen von Unsittlichkeit und schlechtem Betragen! Er hat unpassende Artikel in der »Indépendance« geschrieben und hat die »Aglaja« fallen lassen.—So geht es, wenn man weise ist in seinen eigenen Augen. Er weiss nun nicht einmal, wie spät es ist, und sein kleiner Junge hat nur eine halbe Hose an. Bedenke, dass dein Körper ein Tempel Gottes ist, und dass dein Vater stets hart hat arbeiten müssen für den Unterhalt—das ist die Wahrheit!—Schlage also das Auge nach oben und trachte darnach, dass du zu einem achtbaren Makler aufgewachsen bist, wenn ich auf meine alten Tage nach Driebergen gehe. Und sieh dir doch all die Menschen an, die nicht auf guten Rat hören wollen, die Religion und Sittlichkeit mit Füssen treten, und spiegle dich in diesen Menschen. Und stelle dich nicht mit Stern in eine Reihe, dessen Vater so reich ist und der immer genug Geld haben wird, wenn er auch schliesslich nicht Makler werden will und ab und zu auch mal etwas Unrechtes thut. Bedenke doch, dass alles Böse seine Strafe findet: da sieh dir wieder diesen Shawlmann an, der keinen Winterrock hat und aussieht wie so’n Schauspieler. Gieb doch gut acht in der Kirche und rücke nicht hin und her auf der Bank, als wenn du Langeweile hättest, Junge, denn ... was muss Gott davon denken? Die Kirche ist Sein Heiligtum, weisst du wohl? Und laure nicht jungen Mädchen auf, wenn es aus ist, denn das macht die ganze Erbauung zu Schanden. Bringe auch Marie nicht zum Lachen, wenn ich beim Essen aus der Schrift lese. Das passt sich nicht in einem achtbaren Haushalt. Du hast auch Figuren auf Bastians Löschblatt gemalt, als er wieder mal nicht da war—weil er manchmal die Gicht hat—das hält die Leute auf dem Kontor von der Arbeit ab, und es steht in Gottes Wort, dass solche Thorheiten zum Verderben führen. Der Shawlmann hat auch allerlei unnütze Sachen gemacht, als er noch jung war: er hat als Kind auf dem Westermarkt einen Griechen geschlagen ... natürlich: nun ist er faul, dünkelhaft und kränklich, siehst du? Mache also nicht immer soviel dummes Zeug mit Stern, Junge, und bedenke, dass sein Vater ja reich ist. Thu so, als sähest du es nicht, wenn er dem Buchhalter Gesichter schneidet. Und wenn er nach Kontorschluss sich mit Versen abgiebt, so sage ihm mal so beiläufig, dass er es hier bei uns so gut hat und dass Marie Pantoffeln für ihn gestickt hat mit echter Florseide. Frage ihn—weisst du, so nebenbei!—ob er glaubt, dass sein Vater zu Busselinck & Waterman gehen wird, und sage ihm, dass das niederträchtige Pfuscher sind. Siehst du, das ist man seinem Nächsten schuldig—so bringst du ihn auf den guten Weg, meine ich,—und ... all das Versemachen ist doch Albernheit. Sei doch brav und gehorsam, Fritz, und zupfe das Dienstmädchen nicht am Rock, wenn es Thee aufs Kontor bringt, und mache mir keine Schande, denn dann verschüttet es, und Apostel Paulus sagt, dass nimmer ein Sohn seinem Vater Verdruss bereiten soll. Ich besuche zwanzig Jahre die Börse und kann sagen, dass ich geachtet bin dort an meinem Pfeiler. Höre also auf meine Vermahnungen, Fritz, und sei brav und hole deinen Hut und zieh deinen Rock an und geh mit mir in die Betstunde, das wird dir gut thun!«

So habe ich gesprochen, und ich bin überzeugt, dass ich Eindruck auf ihn gemacht habe, vor allem da Pastor Wawelaar zum Text seiner Rede gewählt hatte: die Liebe Gottes, sichtbar aus Seinem Zorn gegen Ungläubige, nach Anleitung der Vermahnung Sauls durch Samuel: I. Sam. XV, Vers 23 b.

Beim Anhören dieser Predigt dachte ich fortwährend daran, was für ein himmelhoher Unterschied doch zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit ist. Ich sagte schon, dass in dem Paket von Shawlmann unter viel unnützem Zeug doch auch dieses und jenes war, das ins Auge fiel durch Solidität der Beweisführung. Aber, ach, wie wenig hat doch so etwas zu bedeuten, wenn man es vergleicht mit einer Sprache wie die von Pastor Wawelaar! Und nicht aus eigner Kraft—denn ich kenne Wawelaar und halte ihn für einen, der wahrlich nicht hoch fliegt—nein, durch die Kraft, die von oben kommt. Dieser Unterschied kam um so deutlicher zum Vorschein, als er etliche Punkte berührte, die auch von Shawlmann behandelt waren, denn ihr habt gesehen, dass in seinem Paket viel über Javanen und andere Heiden vorkam. Fritz sagt, dass die Javanen keine Heiden sind, doch ich nenne jeden, der einen verkehrten Glauben hat, einen Heiden. Denn ich halte mich an Jesum Christum, den Gekreuzigten, und das wird jeder anständige Leser wohl auch thun.

Sowohl weil ich aus Wawelaars Vortrag meine Meinung geschöpft habe bezüglich der totalen Unzulässigkeit der Einziehung der Kaffeekultur zu Lebak, worauf ich gleich zurückkommen werde, als auch, weil ich als ehrlicher Mann nicht will, dass der Leser absolut nichts erhält für sein Geld, werde ich hier einige Bruchstücke aus der Predigt mitteilen, die ganz besonders treffend waren.