Er hatte kurz Gottes Liebe aus den angezogenen Textworten bewiesen und war sehr schnell zu dem Punkte übergegangen, worauf es hier eigentlich ankam, nämlich auf die Bekehrung der Javanen, Malayen und wie all das Volk da mehr heissen möge. Hört, was er davon sagte:
»So, meine Geliebten, war der herrliche Beruf von Israel—er meinte das Ausrotten der Bewohner von Kanaan—und so ist der Beruf von Niederland! Nein, es soll nicht gesagt werden, dass das Licht, das uns bestrahlt, unter den Scheffel gestellt werde, noch auch, dass wir geizig seien im Mitteilen des Brotes des ewigen Lebens! Werfet das Auge auf die Eilande des indischen Oceans, bewohnt von Millionen und Millionen Kindern des verstossenen Sohnes—und des zu Recht verstossenen Sohnes des edlen, gottgefälligen Noah! Da kriechen sie umher in den eklen Schlangenhöhlen heidnischer Unwissenheit, da beugen sie das schwarze, kraushaarige Haupt unter das Joch von eigennutzbeseelten Priestern! Da beten sie zu Gott unter Anrufung eines falschen Propheten, der ein Greuel ist vor den Augen des Herrn! Und, Geliebte, es sind da selbst solche, die, als wäre es nicht genug, einem falschen Propheten zu gehorchen, selbst solche sind da, die einen andern Gott, was sage ich, die Götter anbeten, Götter von Holz oder Stein, die sie selbst gemacht haben nach ihrem Bilde, schwarz, abscheulich, mit platten Nasen und teufelhaft! Ja, Geliebte, beinahe verhindern mich Thränen, hier fortzufahren, noch tiefer ist die Verderbtheit von Hams Geschlechte! Es sind welche unter ihnen, die keinen Gott kennen, unter welchem Namen auch! Die meinen, dass es genügend sei, den Gesetzen zu gehorchen der bürgerlichen Gesellschaft! Die ein Erntelied, worin sie Freude ausdrücken über den Erfolg ihrer Arbeit, als hinreichenden Dank betrachten an das Höchste Wesen, das diese Ernte reifen liess! Es leben da Verirrte, meine Geliebten—wenn solch eine greuliche Existenz Leben genannt werden mag!—da findet man Wesen, die behaupten, dass es genügend sei, Frau und Kinder lieb zu haben und seinem Nächsten nicht zu nehmen, was einem nicht gehört, um des Abends ruhig das Haupt niederlegen zu können zum Schlafe! Schaudert euch nicht bei diesem Bilde? Krampft euer Herz sich nicht zusammen bei dem Gedanken, welches das Los sein wird von all diesen Bethörten, sobald die Posaune ertönen wird, die die Toten aufruft zur Scheidung in Gerechte und Ungerechte? Höret ihr nicht—ja, ihr hört es, denn aus den verlesenen Worten des Textes habt ihr gesehen, dass euer Gott ist ein mächtiger Gott und ein Gott der gerechten Rache—ja, ihr höret das Krachen der Gebeine und das Prasseln der Flammen in dem ewigen Gehenna, wo Heulen ist und Zähneklappern! Da, da brennen sie und vergehen nicht, denn ewig ist die Strafe! Da leckt die Flamme mit nimmer befriedigter Zunge an den heulenden Schlachtopfern des Unglaubens! Da stirbt der Wurm nicht, der ihre Herzen durch und durch nagt, doch ohne sie zu vernichten, auf dass da stets ein Herz zu nagen übrig bleibe in der Brust des Gottlosen! Sehet, wie man das schwarze Fell dem ungetauften Kinde abzieht, das, kaum geboren, hinweggeschleudert wird von der Mutter Brust in den Pfuhl der ewigen Verdammnis ...«
Da fiel eine Frau in Ohnmacht.
»Doch, Geliebte«, fuhr Pastor Wawelaar fort, »Gott ist ein Gott der Liebe! Er will nicht, dass der Sünder verloren gehe, sondern dass er selig werde mit der Gnade, in Christo, durch den Glauben! Und darum ist Niederland auserlesen, von den Unseligen zu erretten, was zu erretten ist! Dazu hat Er in Seiner unerforschlichen Weisheit einem Lande, klein von Umfang, doch gross und stark durch die Kenntnis Gottes, Macht gegeben über die Bewohner dieser Gebiete, auf dass sie durch das heilige, nimmer genug gepriesene Evangelium gerettet werden von den Strafen der Hölle! Die Schiffe von Niederland befahren die grossen Wasser und bringen Bildung, Religion, Christentum den verirrten Javanen! Nein, unser glückliches Niederland begehrt nicht für sich allein die Seligkeit: wir wollen sie auch mitteilen den unglücklichen Geschöpfen an fernen Stranden, die da gebunden liegen in den Fesseln des Unglaubens, des Aberglaubens und der Sittenlosigkeit! Die Betrachtung der Pflichten, die hinsichtlich dessen auf uns ruhen, wird den siebenten Teil meiner Rede ausmachen.«
Denn was voraufging, war der sechste. Unter den Pflichten, die wir in Ansehung dieser armen Heiden zu erfüllen haben, wurden genannt:
- 1) Das Geben von reichlichen Beiträgen in Geld an die Missionsvereinigung.
- 2) Das Unterstützen der Bibelgenossenschaften, mit dem Zweck, diese in den Stand zu setzen, Bibeln auf Java zu verteilen.
- 3) Das Fördern der religiösen Übungen zu Harderwyk, zu Nutzen des kolonialen Werbedepôts.
- 4) Die Ausarbeitung von Predigten und religiösen Gesängen, geeignet, um von Soldaten und Matrosen den Javanen vorgelesen und vorgesungen zu werden.
- 5) Die Gründung einer Vereinigung einflussreicher Männer,
deren Aufgabe sein würde, unseren allverehrten König
anzuflehen:
- a) Nur solche Gouverneure, Offiziere und Beamte zu ernennen, von denen vorausgesetzt werden kann, dass sie feststehen im wahren Glauben.
- b) Dem Javanen zu vergönnen, dass er die Kasernen, wie auch die auf den Reeden liegenden Kriegs- und Kauffahrteischiffe besuchen dürfe, damit er durch den Verkehr mit niederländischen Soldaten und Matrosen erzogen werde für das Reich Gottes.
- c) Zu verbieten, dass Bibeln oder religiöse Traktätchen in Schankhäusern als Bezahlung angenommen werden.
- d) In die Bedingungen der Opiumpacht auf Java die Bestimmung aufnehmen zu lassen: dass in jeder Opiumkneipe ein Vorrat von Bibeln vorhanden sein müsse, im Verhältnis zu der vermutlichen Zahl der Besucher des betreffenden Instituts, und dass der Pächter sich verbinde, kein Opium zu verkaufen, wenn nicht der Käufer ein religiöses Traktätchen dazu nimmt.
- e) Zu befehlen, dass der Javane durch Arbeit zu Gott gebracht werde.
- 6) Das Geben von reichlichen Beiträgen an die Missionsgenossenschaften.
Ich weiss wohl, dass ich diesen letzten Punkt schon unter No. 1 genannt habe, aber er wiederholte ihn, und dieser Überfluss scheint mir im Feuer der Rede wohl erklärlich.
Doch, Leser, hast du auf No. 5 e acht gegeben? Nun, just dieser Vorschlag erinnerte mich so an die Kaffeeauktionen und an die vorgegebene Unfruchtbarkeit des Bodens in Lebak, dass es dir nun nicht mehr so befremdlich scheinen wird, wenn ich versichere, dass dieser Punkt seit Mittwoch abend mir keinen Augenblick mehr aus den Gedanken gewichen ist. Pastor Wawelaar hat die Berichte der Missionare vorgelesen; niemand kann ihm also eine gründliche Sachkenntnis abstreiten. Nun, wenn er mit diesen Rapporten vor sich und mit dem Auge auf Gott behauptet, dass viel Arbeit günstig wirken muss auf die Eroberung der javanischen Seelen für das Reich Gottes, dann kann ich doch wohl constatieren, dass ich nicht so ganz abseits aller Wahrheit spreche, wenn ich sage, dass zu Lebak sehr gut Kaffee gepflanzt werden kann. Und stärker noch: dass vielleicht das Höchste Wesen just darum allein diesen Boden für die Kaffeekultur ungeeignet gemacht hat, um durch die Arbeit, die nötig sein wird, um einen anderen Grund dahin zu verpflanzen, die Bevölkerung dieser Gegend empfänglich zu machen für die Seligkeit.
Ich hoffe doch, dass mein Buch dem König vor Augen kommt, und dass alsbald durch grössere Auktionen es klärlich werden möge, wie eng die rechte Kenntnis Gottes mit dem wohlerfassten Interesse des ganzen Bürgertums verknüpft ist! Seht doch nur, wie der einfältige und demütige Wawelaar ohne alle irdische Weisheit—der Mann hat niemals einen Fuss in die Börse gesetzt—aber durch die Gnade des Evangeliums, die ihm vorleuchtet und eine Lampe ist auf seinem Pfad, mir, Makler in Kaffee, da auf einmal einen Wink giebt, der für ganz Niederland nicht nur wichtig ist, sondern der sogar mich in den Stand setzen wird, wenn Fritz gut aufpasst—er hat leidlich still gesessen in der Kirche—vielleicht fünf Jahre früher nach Driebergen zu gehen. Ja, Arbeit, Arbeit, das ist mein Losungswort! Arbeit für den Javanen, das ist mein Grundsatz! Und meine Grundsätze sind mir heilig.
Ist nicht das Evangelium das höchste Gut? Geht wohl etwas über die Seligkeit? Ist es also nicht meine Pflicht, diese Menschen selig zu machen? Und wenn, als Hülfsmittel hierzu, Arbeit nötig ist—ich selbst habe zwanzig Jahre die Börse besucht!—dürfen wir dann dem Javanen Arbeit versagen, wo seine Seele derer so dringend bedürftig ist, um später nicht zu brennen? Selbstsucht würde es sein, schändliche Selbstsucht, wenn wir nicht alle Versuche daran wendeten, um diese armen, verirrten Menschen zu bewahren vor der schrecklichen Zukunft, die Pastor Wawelaar so beredt geschildert hat. Es ist eine Frau in Ohnmacht gefallen, als er von dem schwarzen Kind sprach ... vielleicht hatte sie einen kleinen Jungen, der etwas dunkel aussah. Frauen sind so!