Das Wort »russisch« im Sinne des klein- oder südrussischen, wurde damals scharf dem »moskowitischen«, großrussischen entgegengesetzt. Moskowitisch und »russisch« waren zwei getrennte Begriffe, im Himmel und auf Erden. Die irdischen Unterschiede waren jedem durch seine leiblichen Augen sichtbar, die himmlischen dagegen wurden durch den Glauben erkannt. Dem Glauben nach obliegen aber die großrussischen Angelegenheiten der Sorge des wundertätigen Nikolai, des Patrons Rußlands, die südrussischen aber finden Schutz und Hilfe in der Fürsorge des den Kleinrussen besonders geneigten heiligen Jurij, oder wie man ihn heute nennt, des heiligen Georg.
Jeder Andersgläubige, der die Prüfung über den heiligen Nikolai bestanden hatte, versicherte nun Wischnewskij noch bestimmter, daß er auch den heiligen Jurij verehre, »noch mehr, als den Nikola«.
Dies gefiel Stepan Iwanowitsch. Damit war die Katechisierung des Gastes beendet, und dem nun Aufgenommenen wurde der Glaubensunterschied nie mehr vorgeworfen. Ja, wenn jemand zufällig diesen Unterschied erwähnte, so unterbrach ihn Stepan Iwanowitsch und sagte:
»Es ist kein Unterschied da, er verehrt den Nikola, aber noch mehr den heiligen Jurka.«
ACHTES KAPITEL
Also genossen die Andersgläubigen, die sich gebessert hatten, das Vertrauen des Psychopathen, und ein Deutscher verwaltete sogar, beinahe ohne Rechenschaft abzulegen, eines seiner Güter und genoß so ausgedehnte Machtvollkommenheit, daß er fast alles tun durfte, was Wischnewskij tat.
Nur in bezug auf die Frauen erlaubte ihm Stepan Iwanowitsch nicht, sein Begehren auf den Gesindehof auszudehnen, damit niemand sähe, wie sich eine Frau des wahren, griechischen Glaubens »mit einem Deutschen einlasse«. Aus diesem Grund dachte er für ihn einen Schimpf aus, der den Mächtigen selbst in den Augen eines Kindes erniedrigen mußte. Der Deutsche war verpflichtet, im Sommer leichte Kleidung und im Winter einen wattierten Schlafrock und Pantoffeln anzulegen, eine Laterne in die Hand zu nehmen und so in der Begleitung eines Aufsehers, der »für sein Leben verantwortlich war«, ins Dorf zu gehen. Dem Deutschen war dieses Verbot auferlegt, damit von ihm »keine Vermehrung des Deutschen käme, sondern alles zu Gunsten des Russischen ginge«.
In den Einzelheiten schienen es zwar nur teilweise Beschränkungen zu sein, aber im Zusammenhang hatten sie zur Folge, daß der Deutsche sich bei Stepan Iwanowitsch beklagte:
»Keine Möglichkeit.«
»Aber warum denn?«