»Alle laufen davon.«

Das bedeutete, daß, sobald der Deutsche in seinem langen Schlafrock, mit seiner Laterne und in Begleitung »des für sein Leben Verantwortlichen« seinen nächtlichen Gang antrat, ihn alle schon von ferne erblickten und diejenigen, denen sein Besuch drohte, davonliefen und sich versteckten.

Stepan Iwanowitsch tat, als ob er dies bedaure, ließ aber keine Änderung an der von ihm eingeführten Ordnung zu.

»Ohne Laterne und ohne Begleiter werden sie dich packen und verprügeln, und ich habe dann niemanden, der mir für dich verantwortlich ist,« sagte er, als sei er aufrichtig von der Notwendigkeit seiner Einführung überzeugt; aber Leute, die ihn näher kannten, bemerkten, daß, wenn er mit dem Deutschen über die Angelegenheit sprach, seine »eine Schnurrbartspitze lachte«.

Als wirklicher Psychopath vereinigte er in sich viel Sinnloses mit Schlauem so innig vermischt, daß man unmöglich ergründen konnte, was Ernst und was Scherz war.

Der Spaß mit dem Deutschen endete damit, daß er so lange mit seiner Laterne wie ein leuchtendes Johanniswürmchen im Gras einherging, bis ihm einmal im Schuppen einer Bauernhütte die Rippen eingedrückt wurden und der für sein Leben verantwortliche Begleiter ihn nach Hause trug, wo er seine deutsche Seele unverzüglich Gott empfahl, die Seele, die hier in Verehrung der Heiligen Nikolai und Georgij gelebt hatte.

Ungeachtet der freiwilligen Unterwerfung dieses Deutschen unter die genannten Heiligen, hielt es Stepan Iwanowitsch doch für unpassend, ihn innerhalb des Friedhofes zu beerdigen, »neben den Vorfahren wahren östlichen Glaubens«; er ordnete an, ihn außerhalb der Umfriedung zu begraben und auch kein Kreuz aufs Grab zu setzen, sondern einen großen Stein darauf zu legen, damit die Müden sich setzen und ausruhen können.

In allen Fällen beobachtete er einen eigenen, in seiner Art sehr originellen Ton, der wie von seinem Humor, so auch vom Respekt vor dem heimatlichen Glauben zeugte, welch letzterer sich weniger auf dem Katechismus als auf den Heiligen Nikola und Jurka gründete. Aber Gott allein weiß, ob alles sich wirklich so verhielt, wie er vorgab, oder ob ihn etwas anderes leitete.

Um die Religiosität Wischnewskijs vollkommen zu kennzeichnen, muß man hinzufügen, daß er es durchaus nicht jedem gestattete, den Heiligen Nikolai und Jurij anzurufen und zu verehren, sondern nur den Christen anderer Bekenntnisse. Diese befreiten sich durch den Respekt vor diesen Heiligen aus aller Not und empfingen die Gnade Stepan Iwanowitschs. Den Juden aber erlaubte er unter keinen Umständen, ihre Zuflucht zum Schutz dieser Heiligen zu nehmen, und jeden, der auch nur eine Neigung dazu verriet, unterwarf er einer Prüfung. Einmal hatte ihn ein Jude betrogen und sollte dafür geprügelt werden. Als man ihn vor die Freitreppe schleppte, von der aus Stepan Iwanowitsch sein Urteil verkündet hatte, begann der Jude sich jämmerlich zu krümmen und zu schreien:

»Oi, wie ich sie verehre ... ich verehre den Nikola, verehre auch den Jurka ...«