»Es war mir leid um das hölzerne Kirchlein. Einen schönen, lichten, neuen Tempel will man in Rußland bauen, und die Enkel, die darin beten werden, werden sich freuen an der Fülle von Licht und Wärme, – und dennoch tut es weh, wenn die alten Balken ohne Erbarmen auseinandergezerrt werden.«

»Ja, lohnt sich's denn wirklich, etwas zu bewahren aus jener alten Zeit, die nichts Besseres wußte, als mit Stricknadeln zu klappern und sich an Zwergenhochzeiten zu erfreuen?«

»Ja, sehen Sie mal, ärmlich genug ist das ja, – und doch fühlte ich etwas vom russischen Geiste darin. Ich gedachte der alten Bojarin und mir wurde so wohl und frei dabei, und das scheint mir der schönste Lohn für meine Pietät. Lebt in gutem Einvernehmen mit eurem alten Märchen, ihr jungen russischen Leute! Solch ein altes Märchen ist ein wunderbares Ding! Wehe dem, der in seinem Alter keines hat! Euren Ohren klingt das Klappern der alten Stricknadeln eintönig, mir aber erzählt es süße Mären! … O wie gerne möchte ich in Frieden mit meinem alten Märchen sterben!«

»Das wird ja wohl auch so werden.«

»Wie soll man das wissen? Wie soll man wissen, wer es sein wird? Aber erlauben Sie, – was ist denn das?« unterbrach der Propst sich plötzlich und sah nach einer Staubwolke, die sich auf dem Berge zeigte und einen mit drei Pferden bespannten Reisewagen, in dem zwei Männer saßen, begleitete. Der eine von ihnen war groß, fleischig, schwarz, mit feurigen Augen und einer unverhältnismäßig großen Oberlippe; der andere klein, glatt rasiert, mit einem völlig leidenschaftslosen Gesicht und hellen, wässerigen Augen.

Der Wagen mit den Fremden fuhr schnell über die Brücke und bog auf dem anderen Ufer links ab.

»Was für unangenehme Gesichter,« sagte der Propst und wandte sich ab.

»Wißt Ihr auch, wer das war?«

»Gott sei Dank, nein.«