Tuberozow sprang hastig auf, weckte Pawliukan, half ihm auf das andere Pferd klettern und schickte ihn dem Flüchtling nach, von dem schon jede Spur verschwunden war.
»Beeil dich, hol es ein,« sagte Sawelij zum Subdiakon und warf einen Blick auf seine silberne Uhr: es war etwas über drei Uhr nachmittags.
Der Alte setzte sich barhäuptig in den Schatten, gähnte und fuhr plötzlich zusammen, da er in der Ferne ein schweres Dröhnen vernommen zu haben glaubte.
»Was ist das? Ein Gewitter?«
Er stand wieder auf, ging an den Waldrand hinaus und sah, daß von Osten her wirklich eine dunkle Wolke heraufzog. Das Gewitter überraschte ihn ganz allein.
Noch ein Schlag! Das Feld wogte heftiger und kalt wehte es darüber hin.
An die schwarze Wolke, welche den Osten ganz bedeckte, rückten von unten her kleinere Wolkenballen heran, gleichsam von ihr heraufgezogen wie Kulissen. Ab und zu brach eine Flamme zwischen ihnen durch. So überschaut ein Zauberkünstler, der eine schauerliche Vorstellung geben will, mit der Laterne in der Hand, noch einmal die dunkle Bühne, bevor er alle Lichter anzündet und den Vorhang hochzieht. Die schwarze Wolke kroch weiter und je näher sie rückte, desto undurchdringlicher schien sie. Vielleicht läßt der liebe Gott sie vorüberziehen? Vielleicht entlädt sie sich irgendwo weiter draußen? Doch nein! Schon zuckt über ihren oberen Rand leise ein feuriger Streif und Blitze flimmern und flackern plötzlich leuchtend durch die ganze finstere Masse. Die Sonne ist nicht mehr zu sehen: Wolken haben ihre Scheibe bedeckt, ihre langen, degenartigen Strahlen zucken noch einmal hell auf, um dann auch zu verschwinden. Ein Wirbelwind erhebt sich pfeifend und dröhnend. Wie Fahnen flattern die Wolken. Über das reifende Roggenfeld laufen weiße Flecken wild hin und her. Einer scheint unmittelbar vom Himmel herabzufallen, ein anderer setzt sich dick und breit hin. Plötzlich laufen beide auf einander los, fließen in eins zusammen und verschwinden. Am Feldrain schüttelt der Wind die Ähren so seltsam, daß man meinen könnte, es wäre nicht der Wind, sondern ein lebendes Wesen hätte sich am Boden versteckt und treibe wütend seinen Unfug. Der Wald ist voll Lärm. Eine Zickzacklinie flammt über dem Walde auf; eine andere zuckt hoch über den Wipfeln, und dann wird es still … ganz still! … Kein Blitz, kein Wind: alles ist wie gebannt. Das ist die Stille vor dem Sturm: alles, was noch nicht Zeit gehabt hat, sich vor dem Unwetter zu verstecken, sucht diesen letzten stillen Augenblick noch auszunutzen: ein paar Bienen fliegen an Tuberozow vorüber, es ist, als flögen sie nicht, sondern als würden sie von einem Windstoß fortgerissen. Aus dem dunklen Gesträuch, das jetzt ganz schwarz erscheint, hüpfen ein paar erschrockene Hasen heraus und legen sich in eine Furche. Über das Gras, das bei der Beleuchtung grau wie Asphalt aussieht, rollt ein silberner Knäuel und verschwindet unter der Erde. Es war ein Igel. Alles verbirgt sich, so gut es kann. Da als letzter stürzt sich auch der Rabe, welcher vorhin so hoch schwebte, die Flügel hart an den Rücken gedrückt, hinab auf den Wipfel eines hohen Eichbaums, wo man ihn jetzt schwerfällig rascheln hört.