»Eine merkwürdige Krankheit,« bemerkte Porochontzew. »Auch hier alles neu. Ich lebe nun schon so lange auf der Welt und habe noch nie von so einer Krankheit gehört.«
»Ja, ja, ja,« sagte Zacharia zustimmend, »die Lebensgewohnheiten verfeinern sich und die Krankheiten werden komplizierter.«
Der Diakon öffnete leise die Augen und flüsterte:
»Gebt mir zu trinken!«
Man reichte ihm einen Metallkrug, an den er seine flammenden Lippen preßte. Und während er das kühle Moosbeerengetränk gierig herunterschlang, musterte er die Umstehenden mit seinen entzündeten Augen.
»Nun, wie geht es unserer lieben Orgel?« fragte der Bürgermeister teilnehmend.
»Dumpf, dumpf,« antwortete der Diakon schwer atmend und fing nach einer Minute ganz unvermittelt in erzählendem Tone an: »Nach meinem Hündchen Wiesie – als die Post es überfahren hatte – wollte ich mir wieder eins zulegen … Da seh' ich in Petersburg auf dem Newskij einen Hundejungen … ›Verschaff mir‹, sagte ich … ›ein nettes Hündchen‹ … Da antwortete er: ›Heutzutag – gibt's keine Hunde mehr … Heutzutag gibt's nur noch Pointer und Setter,‹ sagte er … ›Was sind denn das für Viecher?‹ fragte ich … ›Das‹ – sagte er – ›sind ebensolche Hunde, bloß nennt man sie anders.‹«
Der Diakon stockte.
»Wie kommt Ihr auf diese Geschichte?« fragte ihn der Arzt in freundlichem, aufmunterndem Tone, denn es schien ihm, als phantasierte der Kranke.
»Weil Sie vorhin von neuen Krankheiten redeten. Sie alle – man mag sie nennen, wie man will – laufen doch auf ein und dasselbe Ziel hinaus – auf den Tod.«