Der Plan war also gelungen. Warnawa hatte jetzt einen Vorwand zum Essen zu kommen, ohne seiner Würde etwas zu vergeben. Er trat ins Zimmer mit der Miene eines unglücklichen Opfers feindlicher Gewalten und setzte sich an das schmale Ende des Tisches, Darjanow gegenüber. Zwischen ihnen, an der Längsseite, nahm Alexandra Iwanowna Platz, während die vierte Seite frei blieb. Die Hostienbäckerin selbst setzte sich fast nie mit ihrem Sohne zu Tisch, und auch jetzt begnügte sie sich damit, die Gäste zu bedienen, ohne mitzuessen. Die Alte war entzückt, ihren gelehrten Sohn wiederzuhaben, Freude und Kummer wechselten auf ihrem Antlitz, ihre Augenlider waren gerötet, die Unterlippe zitterte leise und ihre alten Füßchen gingen nicht, sondern liefen in großer Hast, wobei sie unausgesetzt bemüht war, sich so zu stellen und zu wenden, daß man ihr Gesicht nicht sehen konnte.

Die Gäste suchten durch allerlei Listen die Alte zum Bleiben zu bewegen, und lobten ihre Kochkunst. Aber die Gute wies alles Lob zurück und meinte, sie verstünde nur die allereinfachsten Speisen zu bereiten.

»Aber gerade diese einfachen Speisen schmecken uns ausgezeichnet.«

»Ach, wie sollen sie schmecken! Bloß gesund sollen sie sein, sagt man. Aber Gott weiß, ob dem wirklich so ist. Warnawa ißt doch immer, was ich gekocht habe, – und sehen Sie ihn bloß an: ganz wie leer ist er.«

»Hm!« brummte Warnawa, sah die Mutter vorwurfsvoll an und schüttelte den Kopf.

»Ach Gott, was willst du wieder? Wirklich, Warnawa, du bist leer.«

»Sagt das doch noch einmal!« knurrte der Lehrer.

»Es ist doch nichts Kränkendes, Warnascha! Milch trinkst du morgens bis zur Unendlichkeit; Tee mit Weißbrot nimmst du auch bis zur Unendlichkeit; Braten und Grütze auch, – aber wenn du vom Tische aufstehst, bist du wieder leer bis zur Unendlichkeit. Das ist doch sicher eine Krankheit. Ich sage dir schon, lieber Sohn, hör' auf mich …«

»Mutter!« unterbrach sie der Lehrer zornig.

»Was ist denn dabei, Warnascha? Ich sage dir, wenn du frühmorgens aufstehst, mußt du beten: ›Herr Gott, fülle meine Leere‹ – und dann erst essen …«