»Sehr gern, obwohl ich gar nicht einsehe, worüber wir uns auseinanderzusetzen haben.«

»Ich will Ihnen gleich alles erklären.«

»Bitte sehr.«

»Verehrter Herr, meine Kameraden und ich kennen Sie tatsächlich nicht; wir haben Sie aber mit russischer Zutraulichkeit in unsere Gesellschaft aufgenommen. Es gelang Ihnen nicht, zu verheimlichen, daß Sie eben etwas Unerwartetes erlebt haben. Und zwar in unserem Kreise ... Sie haben vorhin den Ausdruck ‚Reputation‘ gebraucht. Auch wir haben unsere Reputation, hol’s der Teufel ... Jawohl! Wir vertrauen Ihnen, müssen Sie aber bitten, auch unserer Ehrlichkeit zu vertrauen.«

»Sehr gerne,« unterbrach ihn der Pole, »sehr gerne!« Und er streckte ihm seine Hand entgegen. Der Rittmeister schien es aber nicht zu sehen und fuhr fort:

»Ich setze meinen Kopf und meine Hand dafür ein, daß Sie hier nicht die geringsten Unannehmlichkeiten zu gewärtigen haben und daß jeder, der es wagt, Sie, und wenn auch nur durch eine entfernte Andeutung, zu verletzen, in mir Ihren Verteidiger finden wird. Wir dürfen aber die Sache nicht als erledigt betrachten. Ihr Benehmen erscheint uns sonderbar, und ich bitte Sie im Namen aller Anwesenden, sich zu beruhigen und uns ernsthaft zu erklären, ob Sie sich tatsächlich unwohl fühlten oder ob Sie etwas Unerwartetes entdeckt haben. Wir bitten Sie, uns diese Frage in einem Worte und ganz aufrichtig zu beantworten.«

Alle fielen ihm ins Wort: »Ja, wir bitten, wir bitten!« Die Bewegung war eine allgemeine. Nur Sascha allein nahm an ihr nicht teil: er verharrte nach wie vor in seiner dummen Versunkenheit. Aber auch er erhob sich von seinem Platz, sagte »Wie ekelhaft!« und wandte sich mit dem Gesicht zum Fenster.

Der Pole aber, den wir so bedrängten, verlor seine Selbstbeherrschung nicht. Im Gegenteil, er nahm eine noch stolzere Haltung an und sagte:

»Meine Herren, in diesem Falle muß ich Sie um Verzeihung bitten. Ich wollte nichts sagen und alles in meinem Herzen tragen. Wenn Sie mich aber unter Berufung auf meine Ehre herausfordern, Ihnen zu sagen, was ich vorhin gehabt habe, so muß ich als Ehrenmann und Adliger ...«

Jemand, der sich nicht beherrschen konnte, rief dazwischen: