Um dieses zu schreiben, hatte er wohl kaum mehr als zwei Sekunden gebraucht.

Der Bursche, der Zeuge des Selbstmordes gewesen war, erzählte, daß Sascha, gleich als er in sein Zimmer hereingestürzt war, stehend diese Zeilen geschrieben, sich dann die Kugel ins Herz gejagt hatte und sterbend in seine Arme gefallen war.

Der Soldat wiederholte diesen Bericht einige Male in der gleichen Fassung allen, die ihn ausfragten. Dann stand er schweigend da und zwinkerte mit den Augen. Als aber Awgust Matwejitsch auf ihn zuging, ihm in die Augen blickte und ihn nach weiteren Einzelheiten ausfragen wollte, wandte sich der Bursche an den Rittmeister und sagte:

»Herr Rittmeister, erlauben Sie, daß ich hinausgehe und mich wasche: an meinen Händen ist Christenblut.«

Man erlaubte es ihm, weil er tatsächlich über und über mit Blut befleckt war, was einen schrecklichen Anblick bot.

Das alles spielte sich bei Tagesanbruch ab; der Himmel rötete sich schon, und das erste Morgenlicht drang durch die Fenster herein.

In den von den Offizieren bewohnten Zimmern standen alle Türen nach dem Korridor offen, und überall brannte Licht. Einige Offiziere saßen mit gesenkten Köpfen ganz fassungslos in ihren Zimmern. Alle sahen mehr wie Mumien als wie lebende Menschen aus. Der Rausch hatte sich wie ein Nebel verflüchtigt, ohne auch eine Spur zu hinterlassen ... Alle Gesichter drückten Verzweiflung und Trauer aus ...

Der arme Sascha! Wenn sein Geist sich noch für die irdischen Dinge interessieren könnte, so würde er sicher einen Trost darin finden, daß alle mit solcher Liebe an ihm hingen und daß es allen so weh tat, ihn, den blühenden und lebensvollen Jüngling zu überleben!

Auf ihm lastete aber ein Verdacht ... ein schrecklicher, schändlicher Verdacht. Wer würde es aber jetzt wagen, von diesem Verdacht zu seinen alten Kameraden zu sprechen, über deren bekümmerte Gesichter die Tränen rollten? ...

»Sascha! Sascha! Armer junger Sascha! Was hast du getan?« flüsterten alle Lippen, und plötzlich standen alle Herzen still, und ein jeder von uns fragte sich: »Bist du nicht auch selbst schuld daran? Hast du nicht gesehen, in welcher Verfassung er war? Hast du auf deine Kameraden einzuwirken versucht, daß sie ihn in Ruhe ließen? Hast du ihnen gesagt, daß du ihm vertraust und die Unantastbarkeit seines Geheimnisses achtest? Sascha! Armer Sascha! Was ist das für ein Geheimnis, das ihn zugrunde gerichtet hat, das er ins Jenseits mitgenommen hat? ... Er ist natürlich rein und von jedem schmählichen Verdacht frei ... Fluch über den, der ihn in den Tod getrieben hat!«