Man ließ den Burschen laufen, und bald darauf sah man ihn schon mit dem Putzen von Saschas Reservestiefeln beschäftigt.
XIII
Abends kam der Vater, ein noch nicht sehr alter, etwa zweiundfünfzigjähriger Herr von angenehmem Äußeren. Er hatte eine militärische Haltung, trug die Uniform eines verabschiedeten Offiziers und Sporen, aber keinen Schnurrbart. Wir kannten ihn noch nicht und merkten garnicht, wie er in das Zimmer seines Sohnes trat; wir sahen ihn erst, als er wieder herauskam.
Gleich nach seiner Ankunft fragte er nach dem Burschen, ließ sich von ihm ins Sterbezimmer führen und verblieb dort mit ihm unter vier Augen mehrere Minuten. Als er dann zu uns in den Saal trat, mußten wir über die stille Majestät in seinen Zügen staunen.
»Meine Herren,« sagte er, sich vor uns verbeugend, »ich stelle mich Ihnen vor: ich bin der Vater Ihres unglücklichen Kameraden. Mein Sohn ist tot, er hat selbst Hand an sich gelegt und mich und seine Mutter in namenloses Unglück gestürzt ... Aber er konnte nicht anders, meine Herren ... Er starb wie ein Mann von Ehre und Gewissen ... Und dies ist, glauben Sie es mir, mein einziger Trost ...«
Mit diesen Worten ließ sich der alte Herr, der unsere Herzen sofort gefangen genommen hatte, in einen Sessel vor dem runden Tisch sinken, vergrub das Gesicht in die Hände und begann laut wie ein Kind zu schluchzen.
Ich reichte ihm mit zitternder Hand ein Glas Wasser.
Er trank davon zwei Schluck, drückte mir freundlich die Hand und sagte:
»Ich danke Ihnen allen, meine Herren!«
Dann fuhr er sich mit dem Tuch über das Gesicht und sagte: