Warum ich in dieser Art vorging, ist mir selbst unbegreiflich und kann ich es mir auch heutigen Tages nicht erklären, aber mein Herz und auch mein Verstand sagten, daß dieses das beste sei, was ich tun könne.
Wie heute sehe ich noch in meinem Gedächtnisse jene klare frostige Mitternacht mit dem hoch am Himmel das schöne Kiev beleuchtenden Vollmond.
Zu jener Zeit war Kiev eine patriarchalische Stadt, denn „Chateau des Fleurs“ und andere Lokale ähnlichen Genres tauchten erst zu jener Zeit auf, als Anenkov das Palais des General-Gouvernements bewohnte.
Zu der Zeit, als ich vom Amte nach Hause fuhr, war bereits Ruhe und Stille eingetreten in Kiev; sie schliefen bereits, die Einwohner dieser großen historisch merkwürdigen Stadt; von hohem Turme des Klosters vernahm man die in langen Zwischenräumen zum Frühgottesdienste einladenden Glockenlaute.
Mein kleines, durch langes Stehen in dieser frostigen Nacht hart mitgenommenes Pferdchen, lief so rasch, daß der kleine Kutscher Mathias, Leibeigener von meinem Gute im Orlover Gouvernement, dasselbe kaum zu zügeln vermochte.
An der Straßenbiegung beim „Kaisergarten“ huschte auf einmal etwas an uns vorüber — ein Mensch und doch kein Mensch, Hund und doch kein Hund oder ein ähnliches Tier — worüber mein etwas scheues Pferdchen erschrak und auf die Seite sprang, daß sowohl ich wie mein Kutscher nahe daran waren, aus dem Schlitten herausgeschleudert zu werden.
Dieses etwas verfolgte uns den ganzen Weg, bald huschte es vor, bald hinter dem Schlitten, bald verschwand es im Schatten oder sprang und lief vollbeleuchtet vom Monde neben uns; plötzlich läuft es bei einer Biegung über die im vollen Mondeslichte hell erleuchtete Straße, so nahe an dem Pferde vorüber, daß dieses wiederum scheute und uns bald aus dem Schlitten geworfen hätte.
Ich konnte mir nicht erklären wer? oder was? dieses etwas sei, nur sah ich, daß dasselbe auch hier sei, als das Pferdchen vor meiner Wohnung stehen blieb ...
Was war dieses etwas?
Das war wieder er, mein Introligator, mit denselben krampfhaft verzerrten Gesichtszügen, demselben deutlich sichtbaren blutigen Schweiß auf der offenen Brust ... ihn fror es nicht, das Herz brannte und wärmte ihn!