Ich mußte durch jene Gasse Kievs fahren, welche von dem Stadt- oder sogenannten Kaisergarten zum Hause des General-Gouverneurs führt.
An einer Stelle stand ein altes, stark verfallenes Haus, welches einem Grafen Branicki gehörte.
Das Haus war niedrig, sehr lang, glich mehr einem großen Fabriksgebäude als einem Palais, und so an den Straßenabhang gebaut, daß die eine Seite des Hauses fast die Erde berührte, während die andere, weil in der Horizontalen gelegen, sehr hoch war und das Ansehen eines Walles hatte mit einem, etwa einem Karnis ähnlichen Aufputze.
Diese genaue Beschreibung ist unbedingt nötig, um das folgende verstehen zu können.
Graf Branicki wohnte in dem Hause nicht, auch Niemand von seinen Angehörigen oder Verwandten.
Es kann möglich sein, daß ein Teil des Hauses eingerichtet war um bei Bedarf benützt werden zu können, aber bekannt war, daß in einem Flügel der Bevollmächtige des Grafen Branicki wohne, ein Pole, selbstverständlich ein „Herr“, welchem ein außergewöhnlich großer Hund gehörte.
Dieser Hund besaß ein eigenartig getigertes Fell und liebte es an warmen Tagen sich an jenem Teile des Hauses zu sonnen, welcher an dem steilen Abhange lag; möglicherweise, war es die tatsächlich prachtvolle Aussicht auf die Umgebung, welche man von hier genoß, die ihn zu diesem veranlasste.
Die meisten Stadtbewohner kannten diesen Beobachter und hüteten sich ihn in seinen Betrachtungen zu stören; sie wichen ihm vorsichtig aus und zogen es vor, die gegenüber liegende Seite der Gasse aufzusuchen; ein Fremder jedoch, der mit der Lage und Bauart des Hauses nicht bekannt war, der ging gewöhnlich nichts böses ahnend ruhig seinen Weg an dem Hause vorüber, bis er zu seinem großen Schrecken und Überraschung erkannte, daß gerade über seinem Kopf ein groß mächtiger Hund liege; mehr oder weniger freundliche Worte an die Adresse des Eigentümers des Hundes waren das Endresultat dieser nichts weniger als erwünschten Begegnung. — —
An jenem von mir bereits beschriebenen Tage sonnte sich der Hund wieder an seiner Lieblingsstelle und freute sich wahrscheinlich nicht nur der schönen Aussicht, die sich ihm bot, sondern auch und möglicherweise hauptsächlich der Sonnenstrahlen, welche sein Fell wärmten.
Ich kannte den Hund, nahm deshalb keine Rücksicht auf dessen Gegenwart; auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse sah ich Drukart gehen, verließ deshalb rasch den Schlitten, um mit ihm zu sprechen und ihm jene Schwierigkeiten klar zu machen, die sich meiner Teilnahme an der projektierten Theatervorstellung entgegenstellen.