Andreas Ivanovič war an diesem Tage außergewöhnlich gut gelaunt, ja fast ausgelassen lustig, und meinte, daß sein gegenwärtiger, wohliger Zustand die Folge des prachtvollen Wetters sei, das ihn im Herzen erhelle.

„Ich,“ sprach er, „eile eine Untersuchung zu Ende zu führen. Ich habe mir einen Mörder zum Verhöre vorführen lassen, frug ihn über die verschiedenen Gründe, Ursachen, Vorfälle aus, dabei rasierte ich mich ruhig; ich frug ihn scherzweise, weshalb er soviele Menschen umgebracht und mich nicht, da wir ja allein in der Stube seien; da gab er mir zur Antwort, daß er es selbst nicht wisse, aber er hätte auch sonst an einem so herrlichen Tage wie heute seine Hände mit Blut nicht besudelt.“

Während wir in unserem Gespräch, fortfuhren, entstand plötzlich ein fürchterliches Geschrei: „Ai! wai! ... Karkadil! ...“ und in demselben Augenblick sprang zwischen uns wieder er ... mein Introligator, der sich um uns herumdrehte.

Von wo er gekommen, wohin er wollte, wie er am Wege unter das „Karkadil“ geriet, wußte ich damals nicht, aber sein Ansehen, seine Furcht, machte ihn noch bemitleidenswerter, noch lächerlicher, wie Tags vorher.

Trotz der großen Ehrfurcht, welche die Juden vor den Beamten zu haben pflegen, kroch er vor Schrecken und Angst unter den alten abgetragenen Pelz des Drukart, welcher diesen Pelz — als aus Schuppenbären — Flicken zusammengeflickt zu nennen pflegte und wand sich in diesem so hin und her, als wenn er „Katze und Maus“ spielen würde.

Wir fingen beide hell laut zu lachen an, während der Jude, sich hin und her drehend, ohne Unterlaß schrie: „Das Karkadil, das Karkadil!“ und erschrockene wie furchtsame Blicke auf den Hund warf, der sich jedoch nicht stören ließ, ruhig auf seinem Platze liegen blieb und auf uns herunter blickte.

Den Juden zu beruhigen gelang uns nicht, aber dieser Vorfall gab mir Gelegenheit dem Drukart die Geschichte dieses unglücklichen Menschen mitzuteilen.

Ich wiederhole nochmals: Drukart war ein herzensguter, weich- und feinfühlender Mensch, was vielen jedoch nicht einleuchten wollte und unmöglich erschien, weil er „rote Haare“ besaß, von deren Besitzer man zu sagen pflegt „Gott bewahre“, was ebenso beweisend ist als der Glaube, daß Rasiermesser in weißer Einfassung schärfer seien als solche in schwarzer; aber in den meisten solchen Fällen hilft alles Reden und Überzeugen gegen derartigen Unsinn — nichts!

Drukart war heute besonders gut aufgelegt und froher Laune und so kam es, daß meine Erzählung auf ihn einen günstigen Eindruck machte, und er sich für den Juden zu interessieren begann.

Über seine sonstige Art sich in fremde Angelegenheiten nicht einzumischen, blieb diesesmal das Herz Sieger, er bemitleidete den Juden und sagte leise: