Es dürfte wohl nicht überflüssig sein zu bemerken, daß unter den in dieser wahren Geschichte erwähnten handelnden Personen es keine gab, welche sich indifferent gegen den Glauben und Religion (den Juden vielleicht ausgenommen) verhalten hätte.
Was den Fürsten Hilarion Hilarionovič anbelangt, so kannte ich zwar dessen religiöse Anschauungen nicht, mußte aber annehmen, daß er ebenso rechtgläubig war, wie alle übrigen russischen Beamten es zu sein pflegen — möglicherweise sogar mehr als die anderen.
Die große, einfache, warme Seele suchte Halt und Stütze an der Nationalkirche, welche für den Russen die allein seligmachende ist, und die er in aller ihrer ursprünglichen Reinheit zu erhalten sucht.
Drukart war ein geborener Russe, ein Litauer und außerordentlich religiös; für ihn bedeutete die rechtgläubige Kirche nicht nur den Glauben, sondern auch das geistige Zeichen der russischen Nationalität.
Ich selbst wuchs in einer Familie auf, in welcher der Vater ausgebreitete theologische Kenntnisse besaß und die Mutter gottesfürchtig war.
Ich erhielt den Religionsunterricht von einem weit und breit bekannten Priester und Lehrer, dem Jefim Andrejevič Ostromislenskij, dem ich auch jetzt noch, als alter Mann, das beste Angedenken bewahre und für dessen Lehren dankbar bin.
In den Kreisen, in denen ich mich in Kiev bewegte, gab es keine Freigeister; ich blieb deshalb derselbe, der ich früher war und wie man mich lehrte; ich dachte über den Glauben wie mein Vater, meine gute Mutter und mein bester Lehrer.
Kurz sei es gesagt, niemandem konnte ein Vorwurf gemacht werden, daß wir unseren Glauben, zu dem wir unserer Geburt, unserer Erziehung, ja der vollen Überzeugung nach gehörten, nicht verleugnen oder mißachten, jedenfalls hätte keiner von uns es unternommen, jemandem von einem Übertritt zu unserem Glauben abzuraten, wenn dieser den Wunsch demselben anzugehören geäußert hätte und dennoch verbanden wir uns alle dazu, es zu verhindern, daß jemand unserer Kirche beitrete, der den Wunsch geäußert hat, dies tun zu wollen; wir alle taten es in vollem Bewußtsein und aller Ruhe, weil wir uns dessen bewußt waren, daß wir dafür belobt werden von einer Person, deren Autorität in dieser Angelegenheit unfehlbar war.
Ich will nun erzählen von einer Person, welche vor uns übrigen die großen Vorzüge hatte, daß sie nicht nur durch ihr Alter, ihre Erfahrungen, Kenntnisse, Stellung, sondern auch durch ihre Religiosität, Mut und Überzeugung uns weit überragte.