„Ja ... Gesetz ... scheint es ... nicht sein ...“
Drukart gab keine Antwort — der Fürst setzte seinen Empfang fort, nahm Bittschriften entgegen — der Jude heulte und wimmerte und hörte nur für einen Augenblick auf, wenn derselbe durch allgemeines: Tss! zum Stillschweigen aufgefordert wurde, erhob jedoch nach einigen Augenblicken wiederum sein Geschrei, dabei auf- und abschnellend, wie eine auf einer Gummischnur aufgehängte Puppe.
Dieses schien dem Fürsten zu Herzen zu gehen.
„Befehlen ... scheint es ... still sein ... hinausführen ...“ sagte er im Tone, als wenn er sich stark ärgern würde; seine Umgebung jedoch, die ihn sehr wohl kannte, wußte, daß dies kein Ärger sei, sondern ein Deckmantel für das in ihm aufsteigende Mitgefühl.
Die Reaktion in seinem Inneren war eingetreten, obzwar er befahl ... still sein ... hinausführen ..., dieser Befehl war mehr als das Zeichen des Verdrusses, als des Ärgers, da er augenblicklich nicht wußte, wie er diese Angelegenheit behandeln soll.
Es war bekannt, daß in solchen Fällen der Fürst solange unruhig blieb, bis er das Richtige gefunden hat, was ihm die Möglichkeit bot, dieser Sache den gewünschten Ausgang und Erfolg zu geben; dies war auch hier anzunehmen und man war überzeugt, daß sich der Fürst eine Zeitlang mit der Angelegenheit des Juden in Gedanken beschäftigen wird und zwar solange, bis er das Richtige herausfindet.
Diese Annahme bestätigte sich wirklich.
Kaum daß den eingeschüchterten und still gewordenen Juden zwei Gendarmen unter den Arm nahmen und hinausführen wollten, rührte sich auch der „gute Junge“ im Barte und der Fürst meinte:
„Ruhig ... sagen sie ... das ... nicht nötig ...“
Auf was sich dieses „nicht nötig“ bezog, blieb unklar, aber begreiflich: den Juden haben die Gendarmen zwar aus dem Zimmer hinausgeführt, doch nicht aus dem Hause gejagt, sondern am Korridor stehen gelassen, wo sich derselbe auf den Fußboden setzte und fortfuhr krampfhaft nach allen Richtungen zu zucken, als wenn ihn jemand an einer inneren Gummischnur gezogen hätte.