Ebenso waren mir die verschiedenen Verfolgungen bekannt, denen er ausgesetzt war, ehe er den hohen Posten eines Mitropoliten erreichte.

Es ist schade, daß sich niemand findet, das Leben dieses seltenen Mannes einem speziellen Studium zu unterwerfen, dasselbe würde ein höchst interessantes Buch über den Charakter und Tätigkeit vieler hochstehender, zu jener Zeit lebenden Personen und über die Zeit selbst ergeben.

In den verschiedenen Geschichten, welche noch heutigen Tages unter dem Volke verstreut sind und nacherzählt werden, wird der Mitropolit Filaret als ein bescheidener, sanfter, geduldiger, friedfertiger, einfacher Mensch und Priester geschildert — von seiner sonstigen Tätigkeit wird jedoch keine Erwähnung getan.

Seine Menschenliebe kam täglich, ja stündlich zum Ausdruck.

Man erzählte sich Verschiedenes über den Moskauer Mitropoliten, welcher es soweit brachte, daß Mitropolit Filaret nicht mehr auf seinen früheren Posten nach Petersburg zurückkam — ich finde es nicht notwendig auf diese Angelegenheit näher einzugehen, da dieselbe auch sonst in keiner Beziehung zu meiner Geschichte steht.

In Kiev tadelte man und sprach sehr viel über seine persönlichen Beziehungen zu dem verstorbenen Gerasim Pavskij — ich selbst stand eine Zeit auf Seite der Tadler.

Zum erstenmale begegnete ich dem Mitropoliten im Hause des Präsidenten der Finanz-Landes-Direktion in Kiev und zwar unter Umständen, welche mich in Erstaunen brachten.

Als der Mitropolit in den Salon trat, segnete er zuerst den Hausherrn und seine Angehörigen, dann die übrigen Gäste, welche an ihn herantraten, um seinen Segen zu empfangen.

Mit einemmale bemerkte er ein junges Mädchen, die Erzieherin der Kinder des Hausherrn, welche an den Tisch sich anlehnend ruhig stand; der Mitropolit sah sie an und ohne seine Stelle zu verlassen, fragte er:

„Und Sie?“