Diesem Wunsche konnte ich mich nicht gut entziehen, obzwar ich für meine Person keine große Lust spürte mit dem Einsiedler bekannt zu werden oder ihn in seiner Ruhe zu stören und zu beunruhigen; mir war von seiner Sehergabe nur soviel bekannt, daß er dem Begegnenden auf sein: „Sei gegrüßt, Väterchen“, gewöhnlich zur Antwort gab „auch Du, Sünder“.
Auf meine Bemerkung, ob es denn unbedingt nötig sei, wegen einer solchen Angelegenheit den guten Alten zu beunruhigen, gab mir die Mutter zur Antwort:
„Wie können Sie eine derartige Angelegenheit beurteilen? ... Es wäre eine unverzeihliche große Sünde, eine solche Gelegenheit unbenutzt vorübergehen zu lassen ... Ihr alle in Kiev seid Freigeister ... nach neuer Art ... ihr glaubt an nichts, während wir immer noch gläubig sind ... Aufrichtig gestanden, ich bin ja mit meinen Töchtern nur deshalb hierher gekommen, um den frommen Mann aufzusuchen ... Beten können wir zu Hause auch, ebenso wallfahrten wohin wir wollen — nach Mcensk zum heiligen Nikolaus, nach Orel zur heiligen Mutter Gottes im Frauenkloster ... aber man sagte uns, der Einsiedler besitze die Gabe, alles vorauszusehen, und er soll mir deshalb das Schicksal meiner Töchter voraussagen.“
„Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß Sie von ihm nichts anderes hören werden, als etwa: ‚Guten Tag, ihr Sünderinnen‘“, erwiderte ich.
„Möglich ... aber es kann sein ... daß er mir zu Liebe sonst noch etwas sagen wird.“
„Jedenfalls wird er noch was anderes euch sagen,“ dachte ich mir.
Die Mutter hatte recht, gesagt hat er schon etwas.
So fuhren wir denn eines schönen Tages nach dem Wald von Kitaevsk und Golosjevsk, nahmen den unvermeidlichen Samovar, verschiedenes Gebäck, Delikatessen, Weine, Melonen und noch aller Art Proviant mit; dort angekommen erholten wir uns erst von der Fahrt, besuchten die Kirchen und machten uns schließlich auf den Weg den Einsiedler zu suchen.
In Kitaevsk haben wir ihn nicht gefunden, man wollte ihn auf dem Wege nach Golosjevsk gesehen haben, wo während des Sommers der Mitropolit zu wohnen pflegte.
Wir gingen und gingen, frugen jeden, der uns begegnete, und kamen schließlich in einen Garten, wo man uns sagte, daß sich der Mönch dort befinden dürfte.