Was die Bibel sei, wie und warum von Moses die fünf Bücher geschrieben, in welcher Art das goldne Kalb zu Pulver gestoßen werden konnte, da sich das Gold nicht pulverisieren lasse ... alles dieses und ähnliches ließen mich darauf bezügliche befriedigende Antwort suchen.

Ich wollte um jeden Preis die schon damals äußerst seltene russische Ausgabe der „Jüdischen Briefe an Herrn Voltaire“ kaufen und wendete mich an eine Buchhandlung in Moskau, die jedoch das Buch nicht besaß.

Mir wurde eine zweite Buchhandlung empfohlen, welche sich speziell mit dem Handel mit seltenen Büchern befaßt; hier versprach man mir das erwähnte Buch zu verschaffen, da man dort wußte, in wessen Besitz sich ein Exemplar der „Jüdischen Briefe“ befinde.

Ich wartete längere Zeit; auf meine Anfragen, wann ich in den Besitz des Buches kommen kann, bekam ich die stereotype Antwort, der Besitzer desselben, ein Buchbinder, sei abgereist, müsse aber bald zurückkommen.

In dieser Weise zog sich die Angelegenheit in die Länge und ich war nahe daran abzureisen, als ich, nochmals die Buchhandlung aufsuchend, die Auskunft erhielt, der Buchbinder sei zurückgekehrt, ich soll nur einige Augenblicke warten, er werde selbst kommen und das Gewünschte bringen.

Ich setzte mich, durchblätterte die aufliegenden alten und neuen Bücher, als man mit einemmale ausrief:

„Er kommt!“

Ich blicke auf und sehe in den Laden einen alten Mann eintreten, mit mildem, ruhigen Gesichtsausdruck, ausgesprochen jüdischen Typus, mit schneeweißem Haare, gekleidet nach üblicher kleinbürgerlich russischer Art, weiter langer Rock, eine Mütze mit breitem Boden und großem Schirm; in der Hand trug derselbe in ein blaugefärbtes Baumwolltuch eingebunden einige Bücher.

„Ei! Gregor Ivanič, wie lang ist es schon, daß sie sich bei uns nicht sehen ließen?“

„Hatte keine Zeit gehabt,“ gab er ruhig zur Antwort, das Bücherpaket auf den Ladentisch legend.