Ein weiteres Gespräch wurde nicht geführt; er erhielt Geld, während man mir zusagte die Bücher nebst Rechnung in meine Wohnung zu schicken.
Das war selbstverständlich ein kaufmännischer Vorfall — doch damit war die Sache nicht beendet.
Mich interessierte die Person des Buchbinders und ich leitete ein Gespräch mit ihm an, anknüpfend an den Inhalt der gelieferten Bücher „Jüdische Briefe an Herrn Voltaire.“
„Der Inhalt der Bücher ist wohl sehr interessant?“ frug ich.
„Nun ... ja ...“ gab er zur Antwort, „gewiß — interessant für den, der sie nicht gelesen ...“
„Meinen Sie nicht, daß diese Briefe von Rabbinern wirklich geschrieben seien?“
„Nn ... nn ... Gott allein weiß es,“ gab er sichtlich ungern zur Antwort, doch setzte er dann mit einigem Lächeln hinzu: „sie dürften wohl einiges über die Bibel gelesen haben (in seiner Rede gab es eine große Zahl spezifisch jüdischer Ausdrücke), sie ist still und stumm, wie die Wüste Sahara über Einzelnes, über Anderes aber weitschweifig, laut, ausführlich wie Moses ... Wer kann daraus klug werden? ... Fu! aus dem alten Testament kann man gar nichts herauslesen! ... das neue Testament dagegen! die Evangelien! ... das ist etwas ganz Anderes ... in diesem ist alles klar, einfach, deutlich ausgedrückt ... begreiflich ... die Bibel ...“ und er machte mit der Hand eine abweisende, abwehrende Bewegung und schloß mit den Worten:
„Gott weiß, wer und was damals und auf was geschrieben worden ist ... darüber könnte man ja den Verstand verlieren!“
Ich äußerte mein Erstaunen darüber, daß er die Evangelien und das neue Testament kenne.
„Und was ist merkwürdiges daran? bin ich ja doch ein Christ.“