Dimitrij Petrovič gab darauf keine Antwort.
Gavruša seufzte tief auf und sprach, leise, ohne uns anzusehen:
„Ich leide aus einem Grunde, von welchem ich doch nur Gott allein Rechenschaft geben muß. — Ich weiß es selbst, daß ich zu nichts tauge, daß ich ein verlorener Mann bin, aber seien Sie doch nicht so herzlos, seien Sie barmherzig, erbarmen Sie sich meiner: ich bin brotlos, ohne Dach und Fach, ärger daran wie ein Hund ... Entschuldigen Sie, Dimitrij Petrovič.“ Silin ließ diese Rede unbeachtet, ja hörte sie vielleicht gar nicht, denn er saß, nach vorne gebeugt, seinen Kopf zwischen die beiden Hände drückend, über etwas nachdenkend.
Die Kirche stand an einer Biegung der Straße, auf einer hohen Uferböschung; durch die freien Stellen in der Einfriedung sahen wir den Fluß, die Wiesen und weit hinaus einen brennenden Scheiterhaufen, um welchen sich schwarze Gestalten, Menschen und Pferde, bewegten.
Noch weiter hinaus bemerkte man Lichter, die aus den Hütten eines Dorfes leuchteten.
Lauter Gesang unterbrach die Stille des Abends.
Über dem Flusse und an einzelnen Stellen der Wiesen fingen sich an Wolken von Nebel zu erheben, lange, enge Streifen, dicht, weiß wie Milch; sie schwebten über dem Fluß und hinderten die Sterne sich im Flusse zu spiegeln.
Der Nebel änderte alle Augenblicke seine Form; es schien, als ob sich die einen Streifen umarmen, die anderen verbeugen würden, die dritten hoben ihre langen Hände, mit breiten herabhängenden Ärmeln bekleidet, zum Himmel, als wenn sie beteten ...
Möglicherweise brachten diese wechselnden phantastischen Formen einen gewissen Eindruck auf Dimitrij Petrovič hervor, als wenn er Geister oder Erscheinungen vor sich sehen würde, denn sein Gesicht nahm einen eigentümlich traurigen Ausdruck an, als er, sich an mich wendend, frug:
„Erklären Sie es mir, teuerster Freund, warum, wenn wir etwas Geheimnisvolles, Phantastisches, Schreckliches sagen wollen, wir nie aus dem Leben schöpfen, sondern stets auf die Geisterwelt zurückgreifen?“