Vater Sava, sagt man, soll noch heute leben; um sein Dorf herum ist alles zum Stundismus übergetreten; seine Kirche ist jedoch stets übervoll von andächtigen Menschen ...
Man weiß zwar nicht, ob der heilige Sava in Paripsami noch tätig mithilft, soviel ist aber sicher, daß es in unseres Sava Bezirke keine nackten Michalki und Potapki gibt.
DAS URTEIL SEINER EMINENZ.
Erstes Kapitel.
Sehr jung, fast noch ein Kind, trat ich in den Staatsdienst und wurde in Kiev der Finanzdirektion zugeteilt, welcher Alexander Kirylovič Klučarev als leitender Direktor vorstand.
Klučarev war im wahren Sinne des Wortes ein „eifriger Beamter, ein Streber“ vom Scheitel bis zur Zehe, welcher von allen ihm Untergebenen nicht nur gefürchtet, sondern auch gehaßt wurde, sowohl in Kiev, wie auch in seinem früheren Dienstorte Žitomir; in Petersburg aber, wohin derselbe als Departements-Vorstand versetzt worden ist, empfand vor ihm Niemand Furcht, im Gegenteile, man gab diesem außergewöhnlich strengen, rücksichtslosen, trockenen Formalisten bald deutlich zu verstehen, daß man seiner Dienste nicht bedürfe, da ja auch andere, jüngere, eben dasselbe leisten können, wie er, Klučarev.
Er wurde in den Ruhestand versetzt, starb jedoch bald darauf, und es gab Niemanden, der ihm eine Träne nachgeweint hätte.
Klučarev stammte aus einer Popenfamilie und wurde in einem geistlichen Seminar erzogen und ausgebildet.
Er war außergewöhnlich kräftig gebaut, unermüdlich tätig, trocken und kurz im Verkehr, liebte in allem Genauigkeit und Pünktlichkeit und war — harten Herzens.
Es ist wahr, er liebte seinen Schoßhund mit den braunen hängenden Ohren, küßte denselben aufs Maul, konnte sehr besorgt und unruhig sein, wenn er meinte, daß sich derselbe unwohl fühle und vielleicht traurig aussehe; dann machte er eigenhändig diejenigen nötigen Operationen und Waschungen, die man dem Tierarzt oder sonst irgend einem Diener überläßt; aber ich habe selbst gesehen, wie in seinem Gesichte auch nicht eine Muskel zuckte, in seinen Augen auch nicht ein einziger Strahl des Mitgefühls sichtbar wurde, wenn er einen altgedienten Beamten mit zahlreicher Familie — oft ohne jeden Grund und Ursache — aus dem Dienste jagte oder ein jüdisches Kind unter die Soldaten aufnehmen und ihm das Haar schneiden ließ.