War die Tagesarbeit beendet, dann mußte an die noch weit wichtigere, dringendere und viel Zeit in Anspruch nehmende Arbeit geschritten werden, welche darin bestand, die Schriften und Dokumente für den folgenden Tag vorzubereiten.

Nicht genug daran, es mußten eingelangte Klagen und Beschwerden durchgesehen, Rechnungen mit den Aufträgen kontrolliert, Anweisungen auf Montierungen, auf Geld für Provisionen gegeben werden, abgesehen von unzähligen Quittungen und Bestätigungen auf oft ganz minimale Beträge.

Im höchsten Grade widerwärtig war das Lesen der ganze Berge bildenden Denuntiationen, Zuträgereien und der nicht selten höchst verwickelten Beschwerdeschriften.

Das Kanzleipersonal bestand aus Beamten, welche aus den verschiedenen Abteilungen hierher abkommandiert, nichts weiter, als die mechanische Arbeit des Abschreibens zu besorgen hatten.

Der Hauptanteil an der ganzen Arbeit, welche eine gewisse Fassungs- und Beurteilungsgabe verlangte, fiel mir zu als dem bestellten — Kanzleivorstande.

Für gewöhnlich wurde auf diesen verantwortlichen, schweren und nervenerschütternden Posten stets eine Person bestimmt, welche bereits jahrelang im Dienste stand, aber Klučarev wählte, ich weiß nicht aus welchem Grunde und welcher Berechnung, gerade mich aus, der ich doch erst einige Monate diente und — 21 Jahre alt war.

Es ist leicht einzusetzen und zu begreifen, welche Mühe es mir machte ein derartiges Amt in Ordnung zu halten, besonders unter einem viel verlangenden, strengen, ja sogar harten, rücksichtslosen Vorgesetzten, wie es eben Klučarev war.

Sein Nachfolger, der seelen- und herzensgute N. M. Kobilin, welcher den Klučarev ablöste, bestätigte mich in meinem Amte.

Schon anderthalb Monate vor Anfang der Rekrutierung fing das hastige und eilige Arbeiten an, da die Rekrutierungsbezirke und deren Reihenfolge bestimmt werden mußten; die eigentliche Stellung nahm mehr Zeit weg als die Vorarbeiten zu derselben, und erst nach Beendigung derselben, der Abgabe des Schlußberichtes und der Rechnungslegung konnte ich ein wenig freier aufatmen.

Während dieser Zeit lebte ich eigentlich kein menschliches Dasein; hatte keinen Augenblick freie Zeit mit alleiniger Ausnahme von anderthalb Stunden zum Mittagessen und es blieben mir kaum vier Stunden zum Schlafen, die übrige Zeit verschlang der Dienst.