Sowie ich hörte, daß der Jude den Namen unseres Heilandes anrufe, zerteilte ich mit der Hand den vor mir stehenden Haufen.
Vor mir sah ich eine Gruppe, welche mich lebhaft an jene mit dem Teufel des Rafael’schen Gemäldes „Verklärung Christi“, allgemein bekannt durch den Jordan’schen Stich, erinnerte.
Ein nicht mehr junger Jude, jedoch unbestimmbaren Alters, ganz naß, in angefrorenen Lumpen, aber mit vom Schweiße feuchtem Gesicht, mit an die Stirne angeklebten schwarzen Haaren, unstet rollenden Augen, in welchen Schreck, hoffnungslose Verzweiflung, Schmerz, neben unbegrenzter leidenschaftlicher Liebe und Selbstentsagung, die keine Grenzen kennt, zu lesen waren.
Am Kragen seines zerlumpten Rockes und an den Armen wurde er von zwei kräftigen Soldaten gehalten, unter deren Händen er sich krampfhaft wand, sich bald wie ein Igel zusammenziehend oder gleich einer Schlange sich windend, doch immer sich bemühend, sich frei zu machen von den ihn festhaltenden Eisenfäusten der Soldaten.
Dieser Ausbruch der fürchterlichen Verzweiflung, das stätig sich wiederholende „wer an Gott glaubt“, das ich einige Minuten vorher in der Bittschrift las, schienen mir in einigem Zusammenhange zu stehen.
Mir kam in den Sinn, ob ich nicht den Introligator vor mir zu stehen habe?
Aber wie konnte derselbe so rasch hinter seiner Bittschrift nachkommen und nicht erfroren sein in diesem schauderhaft zerlumpten leichten Röckchen; und schließlich, was wünschte er? was ist ihm nötig, daß er in seiner verzweiflungsvollen Art ohne Unterlaß den Mitropoliten und Jehoschua Hanozri anruft?
Vielleicht hat er den Verstand verloren?
Um dem häßlichen Auftritte ein Ende zu machen, gab ich den Soldaten mit der Hand ein Zeichen und bemerkte: „Laßt ihn los!“
Kaum hatten diese ihre Hände von ihm zurückgezogen, als der „närrische Jude“ einen Sprung nach vorwärts machte, wie eine Katze, welche in einem dunklen Schranke eingesperrt, plötzlich, durch Aufmachen der Türe, freigelassen wird.