Leises, übermütiges Lachen ringsum, nur Graf Hohen-Esp steht schwer atmend und lächelt nicht einmal.
Er hat Wort für Wort von der Unterhaltung gehört, obwohl er keinen Blick von dem reizenden Mädchenhaupt drüben gewandt.
Fräulein von Sprendlingen, — Gabriele heißt sie! — Nun hat er ihre Spur gefunden, nun weiß er, daß er sie wiedersehen, ihr sicher in den Salons begegnen wird.
Sein Herz schlägt aufgeregt in der Brust, das Blut brennt ihm in den Wangen.
Gabriele!
Wie durch Zauberspuk hat sie es ihm angetan, so wie die Nixen aus der Flut tauchen und den Seemann mit kristallenen Augen anlächeln, dann ist es um ihn geschehen. —
Sie hat mit dem Kammerherrn ein paar Worte gewechselt, dieser küßt die schmale Hand der Mutter und bietet der Tochter galant den Arm, sie hinauszuführen.
In das Teezimmer der hohen Herrschaften, richtig, der Hof hat die große Mittelloge, wie fast immer nach den Aktschlüssen, verlassen. Der Bär von Hohen-Esp setzt sich mechanisch wieder nieder, und als er aus seinen tiefen Gedanken emporschaut, weil die Unterhaltung um ihn her wieder laut und lebhaft wird, da sieht er direkt in das blasse, schmale Gesichtchen der Komtesse Thea, deren tiefumschattete dunkle Augen mit dem Ausdruck einer Madonna auf ihn gerichtet sind.
Er erschrickt beinah und hat das Gefühl, als müßte er ein Kompliment vor ihr machen, doch entsinnt er sich noch rechtzeitig, daß er ihr noch gar nicht vorgestellt ist.
»Ich habe Gabriele sehr lieb! Sie ist meine vertrauteste Freundin!« sagte die junge Dame just, — wie es ihm scheint, mit ganz besonderem Nachdruck, und bei Guntram Krafft wecken die Worte: »Ich habe Gabriele sehr lieb!« einen warmen Widerhall im Herzen.