Mit strahlenden Augen begrüßt sie Guntram Krafft — doch seltsam ... sie, die ihm noch vorhin ein so anmutiges Lächeln spendete, blickt jetzt plötzlich über ihn hinweg, als existiere er nicht mehr für sie.

Die großen, hellen Nixenaugen blicken so kalt — so unheimlich kalt, und die feinen Lippen wölben sich so stolz und hochmütig, als habe sie der blonde Fremdling hier drüben nie und nimmer im Arm gehalten.

Was mag ihr plötzlich in den Sinn gekommen sein?

Der Bär von Hohen-Esp ist so in Schauen und Sinnen versunken, daß er für nichts anders mehr Augen und Ohren hat, — er bemerkt es nicht, wie Komtesse Thea keinen Blick von ihm wendet und ihn scharf beobachtet, wie das sanfte Madonnengesicht plötzlich einen sehr scharfen, ironischen Ausdruck bekommt, wie es in den schwärmerischen Augen aufglimmt. Er sieht nur das kühle, stolze Nixengesicht in der Loge drüben — und als die Senta auf der Bühne drunten mit weicher Stimme klagt: »Doch nie ein treues Weib er fand!« da geht es plötzlich wie ein Erschrecken durch das Herz des weltfremden Mannes.

Ein treues Weib! —

Wie oft hat er daheim im Ernst und Scherz aus den rauhen Seemannskehlen gehört:

»Da ist eine Nixe an's Ufer geschwommen,
Die hat sich ein Schiffer zum Liebchen genommen,
Ihr Aug' war wie Wasser, ihr Leib war wie Schnee,
Und falsch und treulos das Weib aus der See —
Hojohe! Hojohe!
Das treulose Weib aus der See!«

Sein Blick schweift wieder hinüber wie in angstvollem Forschen, und ihm ist's, als ob sich im Dämmerlicht des verdunkelten Hauses ihr schneeweißes Antlitz ihm zuwende.

Lächelt sie?