Soll er heimkehren zu ihm? —
Lächelnd schließt er die Augen.
Nein! Mit noch zaubervolleren, tausendfachen Banden hält es ihn in der Fremde fest!
IX.
Während Guntram Krafft mit sehnsüchtigem Blick nach dem Logenplatz, welchen Gabriele am Arm des Kammerherrn verlassen, hinüberschaute, war Fräulein von Sprendlingen in das Teezimmer, welches hinter der großen Hofloge lag, eingetreten.
Prinzeß Amalie blickte ihr bereits erwartungsvoll entgegen.
Die hohe Dame, welche schon seit Jahren eines Knieleidens wegen nur mit großer Anstrengung zu gehen vermochte und meist in ihrem kleinen, eleganten und leicht beweglichen Rollstuhl gefahren wurde, nickte dem jungen Mädchen in ihrer herzgewinnenden Weise zu und fesselte sie sogleich an ihre Seite, nachdem Gabriele von den anwesenden Fürstlichkeiten durch ein paar huldvolle Worte der Begrüßung ausgezeichnet war.
Fräulein von Sprendlingen stand, die servierte Tasse Tee in der Hand, neben der Prinzessin und erzählte in ihrer frischen, anmutigen Art von den erlauchten Anverwandten der hohen Frau, welche sie während ihres Besuches bei der Hofmarschallin am Hofe zu X. noch vor wenigen Tagen gesehen und gesprochen hatte.
Da gab es viel zu berichten: von der jungen, liebreizenden Hoheit, welche diesen Winter zum erstenmal tanzt und auf einem Kostümfest im Ministerhotel als »Rautendelein« ganz besonders herzgewinnend aussah; von den jungen Prinzen, welche der Frau Herzogin bereits über den Kopf wachsen, sehr liebenswürdig und begabt sind, auch auf künstlerischem Gebiet, namentlich in der Musik, schon Hervorragendes leisten; von diesen und jenen alten Hofbeamten, welche schon zur Zeit der Prinzeß Amalie ihre Stellung innehatten und der hohen Frau ein ganz besonders treues und verehrungsvolles Andenken bewahren.