Wieviel hat sich aber auch gerade in dem letzten Jahrzehnt verändert!

Manch alte treue Seele ist heimgegangen, manch Glück ist zerschellt, manch Unglück hat sich noch in letzter Stunde gewendet, — die Jungen wachsen heran, und »neues Leben blüht aus den Ruinen!«

Die kurze Pause hatte kaum ausgereicht, all die vielen Erinnerungen neu aufleben zu lassen. Gabriele bleibt auf Wunsch der Frau Prinzessin in der großen Loge.

Und als sich die Herrschaften während der nächsten Pause abermals zurückziehen, wendet sich der Herzog mit einer Ansprache an Fräulein von Sprendlingen und verwickelt sie momentan in eine Unterhaltung.

Als er sich just voll liebenswürdigen Interesses nach dem Unfall erkundigt, welchen sie mit dem Schlitten gehabt, klingt das leise, beinahe übermütige Lachen des Prinzen Karl Emil an ihr Ohr, welcher mit einer der Hofdamen plaudert.

»Ich glaube, Gräfin, wir alle sind gespannt, den ›weisen Toren‹ kennenzulernen!« sagt er gerade mit vernehmlicher Stimme, »denn solch eine Bekanntschaft macht man nicht alle Tage, höchstens in Bayreuth!«

Der Herzog wendet den Kopf: »Von welchem ›weisen Toren‹ sprichst du?«

»Von dem modernen Parzival!« lacht der Prinz, »welcher heute abend dem fliegenden Holländer eine gewaltige Konkurrenz macht und das Publikum mehr interessiert wie der bleiche Kapitän auf der Bühne drunten!«

»So, so! — Der Graf von Hohen-Esp! — Der dürfte freilich die Attraktion der diesjährigen Saison sein! — Und ›Parzival‹ nennt Ihr ihn? — So übel nicht, wenngleich der Hof des Königs Amfortas recht wenig Ähnlichkeit mit dem unsern hat!«

»Parzival kam auch in Klingsors Zauberschloß und sah dort Blumenmädchen, die beinahe so schön waren wie unsere Balldamen!« neckte der Prinz mit einem Seitenblick auf Gabriele.