»Dürfen wir ... oder müssen wir jetzt erröten, Hoheit?« —
»Beides, mein gnädiges Fräulein, es steht Ihnen eins so gut wie das andere!«
»Laßt sehen, ob es den modernen Parzival von Burg ›Hohen-Esp‹ fesselt!« scherzte der Herzog und fuhr, direkt zu Fräulein von Sprendlingen gewandt, fort: »Was sagen Sie dazu, Gnädigste, daß die eifersüchtige Mutter Herzeleide, alias Gräfin Gundula, endlich den so lang versteckten Sohn freigibt?« —
»Ich höre es soeben mit Staunen, königliche Hoheit, daß Graf Hohen-Esp hier in der Residenz anwesend ist!«
»Sogar in nächster Nähe zu schauen! Bemerkten Sie noch nicht in der Loge, Ihnen gegenüber, einen blonden Mann, welcher nicht im mindesten nach einem Hinterwäldler ausschaut?!«
Gabriele blickte den Sprecher mit weit offenen Augen an. —
»Jener Fremde ... jener ist es, königliche Hoheit?«
»Gewiß! Sie erwarteten auch eine ganz andere Erscheinung in dem Einsiedler aus der Bärenhöhle?«
»Findest du wirklich, Vater, daß er so völlig von Europens Kultur beleckt ist?« lachte Prinz Karl Emil mit zwinkerndem Blick: »Der tadellos zugeschnittene Rock und die Krawatte à la fin de siècle machen es nicht allein! Ich finde, der Graf sieht trotz all des Goldschnitts, mit dem man ihn ›neu eingebunden‹ hat, doch aus, wie ein etwas verstaubter Foliant, welchen man aus wurmstichigem Archiv holt!«
Leises Gelächter, die Herzogin und einer der Flügeladjutanten sind herzugetreten und beteiligen sich voll Interesse an dem Gespräch, sie lachen ebenfalls über den drolligen Vergleich des Prinzen, nur der Herzog zuckt etwas ungeduldig die Schultern.