»Motiviere deine Ansicht!« sagt er kurz, »was mutet dich ›verstaubt‹ an der blühenden, reckenhaften Gestalt des jungen Mannes an?«

»Sein Anzug nicht, das haben wir bereits konstatiert!« fährt der Prinz mit lustig blitzenden Augen fort, »ich bin sogar überzeugt, daß Parzival das modernste Parfüm ins Schnupftuch goß, welches jemals Blumenmädchen fabrizierten. Aber ... es ist der Ton, welcher die Musik macht — und die Art und Weise, wie ein Mensch seine Kleider trägt, ist maßgebend für seine Persönlichkeit!«

»Ganz recht, — wie aber trägt Graf Guntram Krafft seinen Rock?«

»Wie ein Mann, der sich höchst fremd und höchst unbehaglich in der neuen Fasson vorkommt!«

»So? Das ist mir noch nicht aufgefallen!«

»Beobachte ihn! Jede seiner Bewegungen ist geniert, ungeschickt, — in Wahrheit ›bärenhaft‹! Man sieht, daß der junge Einsiedler es gewohnt ist, mehr mit Keulen dreinzuschlagen, als wie mit dem Operngucker zu hantieren!« —

»Mich überrascht am meisten der Ausdruck seines Gesichtes!« schaltete die Herzogin ein, »fraglos ist der Graf ein schöner Mann! Seine Züge haben etwas Edles, ich möchte beinahe sagen Heldenhaftes! Aber ihr Ausdruck nimmt ihnen vollständig diesen Charakter!«

»Er ist von all dem Neuen befangen!...«

»Und das wohl auch mit Recht! Seine Augen haben einen schier kindlichen Blick, so naiv wie er schaut kaum noch ein Backfischchen drein! — Was er denkt und fühlt, spiegelt sich auf seinem Antlitz, das beobachtete ich während der Vorstellung. Wenn er bemerkt, daß sich aller Augen aus dem Publikum auf ihn richten, wird er verlegen wie ein schämiges Jüngferchen, — ich möchte darauf wetten, daß er sogar errötet!« —

»Dies alles deucht mir kein Fehler!«