»Gewiß nicht, — aber auch kein Vorzug für einen Mann!« —

»Wir müssen bedenken, wie groß der Umschwung der Verhältnisse für den Ärmsten ist! In tiefster Einsamkeit aufgewachsen, steht er urplötzlich in dem bunten hochflutenden Strom großstädtischen Lebens, — sonst gewöhnt, stets die strenge, energische Mutter zur Seite zu haben, welche alles für ihn bedenkt und leitet ... ist er plötzlich ganz allein auf sich selbst angewiesen und muß sich ohne Kompaß und Steuer durch die Flut völlig fremder Verhältnisse lavieren ...«

»Er steht daheim vollständig unter dem Einfluß der Mutter?«

»Selbstverständlich! Er wird der Gräfin jetzt wohl mit Ausübung aller praktischen Arbeit zur Hand gehen, aber sicherlich Frau Herzeleide ebenso als ›hohe Obrigkeit‹ ansehen, wie Parzival der Ältere, ehe ihn sein Tatendrang hinaus in die Welt führte!«

»Die Verhältnisse sollen ja geradezu glänzende geworden sein! Man sagt, die Gräfin habe sich vollkommen arrangiert und das verlorene Vermögen sozusagen zurückgewonnen!«

»Hut ab! Sie ist eine vortreffliche Frau, welche jedermann die höchste Achtung abnötigt! Was diese Bärin für ihr Junges getan, macht ihr so leicht kein Mann nach!«

»Sie muß eine geradezu geniale Landwirtin, eine geborene Agrarierin sein! Allerdings hat sie auch viel Glück bei der Sache gehabt! Schon der Umstand, daß der alte Wattenburg seinen Sohn verlor und nun nicht mehr viel Interesse am Landbesitz hat! Dem allein verdankt sie es doch, daß sie Walsleben so ›portionsweise‹ zurückkaufen kann!«

»Nächstens geht das Gut wohl wieder völlig in ihren Besitz über! Der alte Inspektor hat mal kürzlich unserem Domänenrat erzählt, die Gräfin hätte es schon vor zwei Jahren kaufen können, die Barsumme läge bereit; aber sie ist so sehr vorsichtig, daß sie sich nie völlig verausgabt, sondern stets mit allen möglichen Eventualitäten rechnet, Mißernten usw., wo es gilt, die Löcher mit Kapital stopfen!«

»Sehr klug und vernünftig gedacht! — Ich bin sehr gespannt, den Sohn kennenzulernen, ob er von den großen Anlagen der Mutter geerbt hat!«