Was will er hier?
Sich gar ein Weib suchen, welches sein Schlaraffenleben mit ihm teilt?
Ein verächtliches Zucken um Gabrieles Lippen.
Auch eine solche wird sich wohl für ihn finden; es gibt Mädchen, welche wenig, sehr wenig von einem Mann verlangen, lediglich einen Trauring.
Gehört Gabriele von Sprendlingen zu diesen bescheidenen Seelen?
Nein, und tausendmal nein! In ihrer Brust glüht ein Feuer heiliger Vaterlandsliebe und stolzer Begeisterung, vor dessen Flammenschein selbst die reckenhafte Bärengestalt des reichen Grafen von Hohen-Esp wie ein Schatten kläglich zusammenschrumpft!
Ja, kläglich!
Gabriele ist wie eine Elfengestalt winzig und zierlich neben dem Riesen Guntram Krafft, und doch deucht es ihr, als blicke sie tief auf ihn herab, so tief, daß er gar nicht mehr für sie existiert!
Als die letzten Musikklänge verrauscht sind und der tosende Beifall sich gelegt hat, erhebt sich das junge Mädchen und schreitet hastig dem Ausgang zu; für den Grafen von Hohen-Esp, welcher noch immer zögernd in der Loge steht und zu ihr hinüberschaut, hat sie keinen Blick mehr.