In der großen Halle drunten stehen die jungen Offiziere und plaudern mit den Damen, welche hier das Vorfahren der Wagen erwarten. Auch Leutnant von Heidler ist Gabriele sporenklirrend entgegengetreten, küßt Frau von Sprendlingen die Hand und erkundigt sich nach dem Befinden der Damen.
Er hat Gabriele bereits auf dem Bahnhof begrüßt — daß seine Anwesenheit daselbst ein Zufall gewesen, hat er weder behauptet, noch hat es die junge Dame angenommen; auch jetzt blickt er ihr mit den kühnen, siegesgewissen Augen, wie in selbstverständlicher Vertraulichkeit in das reizende Antlitz und versichert ihr, daß die Residenz schauderhaft öde ohne sie gewesen sei und daß es eine ganze Menge zu erzählen gäbe! Gestern habe er mit etlichen Kameraden eine — soit dit Schnitzeljagd auf Schnee und Glatteis geritten, um die Dauerhaftigkeit der Gäule auszuprobieren, die guten Resultate habe man selbstredend mit etwas Alkohol gefeiert, und zwar sei die Sitzung so ausgedehnt worden, daß er nicht mehr dazu gekommen sei, einen von ihm beabsichtigten Besuch in Villa Monrepos zu machen. Ob er denselben jetzt noch nachholen und eine Tasse Tee bei den Damen trinken dürfe?
Frau von Sprendlingen hat durchaus nichts dagegen, obwohl ihr Lächeln ein wenig kühler scheint, wie sonst; Gabriele aber errötet unter dem zarten Spitzenschleier, welcher ihr Köpfchen verhüllt, und die Nixenaugen blitzen voll Interesse auf.
»Einen Übungsritt à la Heidler?« ruft sie lebhaft, »davon müssen Sie erzählen! Wie geht es Ihrer ›Gudrun‹ — hat sie das Glatteis mit bekannter Verve genommen?« —
»›Gudrun‹ hat brillant durchgehalten, aber Massenbach hat Pech mit seinem ›Slusohr‹ gehabt, — nahm einen Graben ... gegen die Sonne ... war natürlich geblendet und sprang zu kurz ...«
»O weh! Und ›Slusohr‹?« —
»Kocht bereits im Wurstkessel!«
»Pour condoler!« —
»Dem Besitzer des seligen Rosses oder denen, die es verspeisen müssen?!«
Sie lachen und bemerken kaum die hohe Männergestalt, welche dicht neben ihnen an einer Säule steht und keinen Blick von Gabriele verwendet. Nur Frau von Sprendlingen sieht den Erben von Hohen-Esp und zeigt ihm ein ganz besonders freundliches Gesicht.