Die Villa Monrepos, welche der pensionierte General von Sprendlingen bewohnte, lag in einer jener stillen Vorstadtstraßen, in welchen nur Equipagen und elegante Passanten verkehren, wo kunstvolle Eisengitter die prächtig gepflegten Gärten einhegen und weiße Steinbilder aus Taxus und Lebensbäumen ragen.

Über den verschneiten Gartenweg eilte eine junge Dame in fußfreiem Tuchkostüm, welches die sehr kleinen Juchtenstiefelchen genügend sehen ließ, ein weiches Pelzkäppchen auf dem lose gepufften Haar, und die dicke lange Boa von rötlich-hellem Pelz um den zierlichen Hals geschlungen, zog eilig die Glocke und ging mit kaum merklichem Gruß an dem Portier vorüber, um die teppichbelegte Treppe emporzuhasten.

Sie schien kein seltener Gast bei Fräulein von Sprendlingen zu sein, denn der Diener öffnete sogleich wie ganz selbstverständlich die weißlackierten Flügeltüren und sagte mit kurzer Verbeugung: »Darf ich bitten, in das Musikzimmer, Komtesse, — das gnädige Fräulein spielen soeben!«

»Hm!« sagte Gräfin Thea von Sevarille, den Gruß ebenso unhöflich erwidernd wie zuvor denjenigen des Portiers, staubte die letzten Schneesternchen von dem Muff und schritt durch eine Flucht beinahe übereleganter Salons nach dem kleinen, turmähnlichen Anbau, in welchem Gabriele ihren Flügel aufgestellt hatte.

Fräulein von Sprendlingen klappte die Noten zu und erhob sich.

»Endlich, Thea! Es war mir schon ganz unheimlich, daß du noch nicht hier warst! Während meiner Abwesenheit hat sich doch gewiß mancherlei hier ereignet, was wichtig genug ist, um rapportiert zu werden! Komm mit hinüber, ich finde es heute kalt hier!«

»Dein eisiges Herz kühlt die Temperatur zu schnell ab!« lachte Thea und legte den Arm um die Schultern der Freundin. »Mir ist es recht, warm zu sitzen, ich bin bis zum Eiszapfen gefroren!« —

Sie traten in das lauschige Boudoir, in welchem sie ehemals schon als Backfische so oft beisammen gesessen; Komtesse Sevarille warf die Pelzjacke und Boa ab, zog den weißen Schleier über das spitze, scharfmarkierte Näschen empor und ließ sich wohlig vor dem Kamin in eins der hellseidenen Sesselchen sinken.

»Neuigkeiten!« lachte sie; »wenn du gehst, Liebste, steht die Zeit bei uns still, — und sowie du wieder auf der Bildfläche erscheinst, häufen sich die Ereignisse! Nummer 1! Du bist mit dem Schlitten umgekippt?« —

»En passant, — es war nicht der Rede wert!«