»Du scheinst ihn gestern abend genauer angesehen zu haben wie ich! Fürerst finde ich es nur schade, daß so männlich edle Züge einen solch weichlich naiven Ausdruck tragen! Das kommt bei der Erziehung in Waldeinsamkeit heraus! Aber gleichviel, — er gefällt dir! Und das ist viel Glück für den Bärenhäuter ...«

»Nenn' ihn nicht so, Gabriele! Du tust ihm unrecht, und ich mag es nicht hören!«

»Ei, ei! So gewaltig hast du schon Feuer gefangen? So ganz prima vista dich erobern lassen?!«

Komtesse Sevarille schlang leidenschaftlich den Arm um die Sprecherin und drückte ihr Gesichtchen mit den nervös bebenden Lippen an die Schulter der Freundin.

»Ach, Gabriele, du hast gut spotten und dich über einen neuauftauchenden Heiratskandidaten lustig machen!« sagte sie leise, sehr innig und sehr aufrichtig, »du Glückliche hast dein Teil erwählt, du wirst geliebt und liebst wieder! Wenn du es auch noch ableugnest, — wir wissen es doch, daß du mit Heidler einig bist! Warum auch nicht? Wenn man so reich ist wie du, kann man sich den Luxus gestatten, den Löwen der Saison an die Rosenkette zu legen — ich armes Wurm muß bescheidener sein und Gott danken, wenn es nur ein Bär ist, dessen Herz ich bändige! — Und er gefällt mir schon jetzt so gut, dieser Bär! — Gabriele! Du hast stets gesagt, daß du meine treue, aufrichtige Freundin bist, betätige es! Hilf mir, daß ich auch so glücklich werden möchte, wie du!« Ein seltsamer Ausdruck lag auf dem reizenden Antlitz mit den hellen Nixenaugen.

Gabriele sah aus, als wolle sie sagen: »Wie schnell hat sich schon eine gefunden, die dem Freier aus der Bärenhöhle mit offenen Armen entgegenläuft!« — — aber sie sprach ihr Empfinden nicht aus, kämpfte auch den Widerwillen, welcher sie überkam, nieder, und antwortete so freundlich, wie es ihr möglich war: »Wenn ich jemals etwas dazu tun kann, dir das Herz des Grafen zuzuwenden, so soll es gewiß geschehen, obwohl ich glaube und hoffe, daß er ohne fremdes Zutun solch einen guten Geschmack entwickeln wird! Was aber Heidler anbelangt« — — die Sprecherin erglühte bis auf den weißen Hals hinab, — »so bist du gewaltig im Irrtum, wenn du glaubst, daß ein einziges Wort zwischen uns gefallen ist, was mehr besagt, wie freundschaftliches Interesse. Wir sind gute Kameraden, — weiter nichts.« —

»Je nun, was noch nicht ist, wird desto sicherer werden! — Apropos ... der Hohen-Esper fährt heute Besuche. — War er schon hier, und habt Ihr ihn angenommen?«

Wieder brach ein lauernder Blick unter den dunklen Augen hervor und forschte in dem Antlitz des Fräulein von Sprendlingen, Gabriele aber griff gelassen nach ein paar Karten, welche zwischen den Büchern des Nebentischchens lagen und reichte sie dar.

»Vor einer halben Stunde schickte mir die Mama die Karten herüber, soviel ich weiß, hat sie den hohen Besuch empfangen, — ich selber ließ mich entschuldigen, ich sei noch bei der Toilette!«

»Und spieltest Klavier? Du bist zum Totlachen, Gabriele! So etwas brächte keine andere fertig!« —