Mit beinahe gierigem Blick hafteten die Augen der Komtesse auf der Karte, sie war plötzlich sehr guter Laune, strahlend heiter und vergnügt. »Guntram Krafft, — Graf Bär von Hohen-Esp«, las sie mit viel Pathos. »Wie entzückend das klingt! Das mußt du selbst eingestehen, Liebste!«

»Der kleinste Titel darunter würde mir mehr imponieren wie der ganze Namen!« klang es trocken zurück.

»Du bist unverbesserlich, aber himmlisch amüsant, ich bewundere dich! Doch nun addio, cara mia, ich muß heim!« — und Thea schob die Visitenkarte in ihren Muff und griff hastig nach der Jacke.

»Bleib' doch noch! es gibt gewiß noch mancherlei zu berichten?!« —

Aber Komtesse Sevarille hatte es plötzlich sehr eilig.

»War der Graf denn schon bei euch?« fragte Gabriele noch zum Abschied.

Sie nickte flüchtig. »Die Tournee fängt ja meistens in unserer Straße an! — Empfiehl mich bitte deiner lieben Mutter ... und nochmals — addio!« —

Wie ein Schatten, schnell und lautlos, flog sie die Treppe hinab.

Auf der Straße überlegte sie einen Augenblick. Sie wußte genau, nach welcher Liste die Visiten zumeist abgefahren wurden, ihrer Berechnung nach mußte Graf Hohen-Esp jetzt bis zu dem Hause des Oberjägermeisters gekommen sein. Hastig schritt sie aus.