Ihr Gesicht sah so zufrieden und triumphierend aus wie selten zuvor.
Von weitem sah sie die Equipage, in welcher Guntram Krafft saß, in eine Nebenstraße einbiegen.
Vortrefflich! Auch sie wird einen Besuch bei der Oberjägermeisterin machen und noch einmal mit dem Grafen zusammentreffen, — »doppelt genäht reißt nicht!« sagt ein altes Sprichwort, und außerdem möchte sie es dem Erben von Hohen-Esp nahe legen, daß sie heute nachmittag auf dem Eis zu treffen ist. Auch Gabriele wird sie nennen, — als Lockvogel. —
X.
Der erste Hofball!
Die ganze Residenz ist voll Interesse und Anteilnahme.
Alter Tradition gemäß muß es an Hofballtagen besonders kalt sein, ein frisches, fröhliches Schneegestöber muß die Luft erfüllen, und die Parkbäume und Bosketts rings um das herzogliche Schloß herum haben die Verpflichtung, weiß bereift, wie ein glitzernder Zauberwald, das Auge zu erfreuen, denn niemals sieht der malerische Rokokobau schöner und märchenhafter aus, als wie mit strahlend erleuchteten Fenstern inmitten der verschneiten Winterlandschaft.
Dann malen die rotgelben Lichter ihre langzitternden Streifen über die weißen Samtdecken der Rasenflächen, werfen flimmernde Reflexe auf dem gefrorenen Teich und glühen wie starre Augen durch die immergrünen Taxushecken, welche ihre mannigfachen Schatten in den fleckenlosen Hermelin des Winters zeichnen. —
Pechfackeln schweben zu beiden Seiten der Einfahrt, wo ein mächtiges, eisernes Tor in kunstvoller Schmiedearbeit den inneren Schloßhof abschließt. Da staut sich die Menge und ist hochbefriedigt, einen Blick in das glänzend erleuchtete Vestibül zu werfen, wo mächtige Palmengruppen in feuchtwarmer Treibhausluft die verträumten Blattwedel über Marmorfiguren breiten.