Ihr Blick streift auch ihn, — aber so fremd, so kühl, als habe sie ihn nie im Leben gesehen.

Wieder überkommt ihn ein Gefühl banger Ungeduld.

Er sehnt sich danach, ihr vorgestellt zu werden, damit sie auch mit ihm plaudert und ihn abermals anlächelt wie damals auf der Straße, als er ihre schlanke Gestalt in den Armen emporhob und sie sekundenlang an seinem Herzen hielt. Bei dem Eingang an der Bildergalerie steht ein diensttuender Kammerherr, um die Ankommenden zu begrüßen.

Er tritt auch dem jungen Grafen sehr liebenswürdig entgegen, nennt seinen Namen und spricht seine Freude aus, wieder einen Vertreter der Familie von Hohen-Esp hier begrüßen zu dürfen.

Er spricht mit leiser Stimme, sehr höflich und verbindlich, dennoch liegt etwas Zeremonielles in seinem Wesen, und sein Händedruck ist mehr förmlich wie herzlich.

Er geleitet den Neuling auf höfischem Parkett bis zu dem nächsten Saal, welcher seinen Namen von den kostbaren alten Gobelins, die seine Wände schmücken, erhalten hat, und in welchem sich die tanzende Jugend bis zu dem Eintritt der hohen Herrschaften versammelt. Zwei Adjutanten in großer Uniform halten sich in der Nähe der Tür auf, treten eilig herzu, und der Kammerherr stellt ihnen den Grafen vor, mit der Bitte, ihn bei den jungen Damen bekannt zu machen.

Ein paar sehr liebenswürdige Worte der vielbeschäftigten Herren, welche Guntram Krafft mit der ehrlichen Versicherung, daß er sich freue, diesem Feste beiwohnen zu können, quittiert, und dann murmelt ein sehr junger Leutnant hinter ihm einen unverständlichen Namen und offeriert die silberne Schale mit den Tanzkarten.

Der Graf stellt sich seinerseits vor und nimmt eins der eleganten Kartonblätter, auf welchem unter dem farbigen Fürstenwappen eine Anzahl Tänze notiert ist, von welchen er kaum die Namen kennt.

»The lancers« — »Menuett der Königin« — »Ouadrille à la cour« — nein, diese Kunstwerke sind ihm in Hohen-Esp fremd geblieben.